Nichtmal an Heiligabend.

Ich bin gerade noch unterwegs und konstatiere, daß die Leute sich keine Mühe geben. Nichtmal an Heiligabend.

Also einerseits mühen sie sich schon – soweit sie durch Heuchelei und Gruppendruck noch damit verquickt sind, aber andererseits werden wesentliche andere Dinge komplett unterlassen. Zum Beispiel sich einigermaßen zivilisiert und ansprechend zu kleiden, dem Tage angemessen. Vielleicht festlich?! Und so dachte ich gerade, als mir schon wieder so eine Gestalt entgegenkam, die genauso aussah wie alle Tage, die also irgendeine schmuddelige Jeansjacke anhatte, daß dies eigentlich nur die Lust am Untergang sein kann, der eigene Lebensüberdruß. Die tiefe Überzeugung eigener Bedeutungslosigkeit, eigener Würdelosigkeit.

Das ganze wird jedoch als sogenannte ‚Freiheit‘ deklariert, daß man sich eben nicht von solchen Daten nicht beeinflussen läßt, daß man von solchen Ritualen sich eben nicht in die nihilistisch-schöne Lebensgestaltung hineinpfuschen läßt. Obwohl man natürlich die gesetzlichen Feiertage nicht nur billigt, sondern – wenig konkludent – sogar termingerecht erwartet.

Für diese ‚Freiheit‘ hat man ja angeblich rebelliert, um eben – bei aller Ideenlosigkeit – alles zu tun zu können was einem einfällt (z.B. den Großwaschtag am 2. Weihnachtstag abzuhalten, wie sich später überraschend zeigte). Und wenn das überhaupt beansprucht wird, macht es im wesentlichen nur eines deutlich, daß damit eigentlich die Freiheit von wichtigen moralischen Werten nur gemeint sein kann. Was solchen Protagonisten aber nicht in den Sinn kommt – es wäre ja auch das erste mal im Jahr, daß ihnen etwas in den Sinn käme.

Während ich also gleich wieder den Kochlöffel schwinge und mich einige Stunden in der Küche verdinge, werden die Leute wieder – dem Hochfest aus ihrer Sicht angemessen und/oder ihrer Lebensmaxime zufolge – irgendwelche Konserven hervorholen und ihre Foliengerichte aufreißen, denn auch dazu haben sie die Freiheit, die sie sich selbstverständlich nicht mehr nehmen lassen.

Schöne Weihnachten!
Und den Nihilisten eben nihilistisch-schöne Weihnachten!

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One Response to “Nichtmal an Heiligabend.”

  1. Frau Schmidt sagt:

    Nicht zu vergessen die lauthalsen Streitereien, die mit Vorliebe am Fest der Liebe unter Lamettaflitter abgehalten werden! So wie ich es ein paar Jahre lang von nervigen Nachbarn erlebte. Da flog dann samt der Kinder so einiges durch die Gegend und alle im Hause hatten was davon.

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