Ich kann nicht nachlassen.

Die Dinge, die ich formuliere, mit denen ich mich beschäftige, sind Luxusprobleme. Bei diesen Geschichten, um die es mir geht, über die ich mich austauschen möchte und die mir wichtig sind, handelt es sich ausschließlich um Probleme des Anspruchs, der im weiteren Lebensverlauf über kurz oder lang auf der Strecke bleibt, aufgegeben werden muß.

Natürlich – solange es geht – klammert man sich an seine Ansprüche und identifiziert sich damit bis letztlich nichts mehr davon aufrechtzuerhalten ist, bis rudimentäre Ansprüche nur noch übrig sind, also Versorgungsansprüche, Ursuppengerumpel, Improvisationstheater, über das es die meisten ohnehin nie hinausschaffen.

Ich fragte mich, ob eventuell das vorzeitige Ablassen von Ansprüchen, Ideen und Zielen schlauer sei, weil es später ohnehin darauf hinausläuft: aufs Nachlassen müssen, aufs Loslassen müssen – wie das sehr oft zu beobachten ist. Und zwar, weil es das Unvermeidliche ist. Sind dann Ansprüche und Ideen nur aufgesetzt, nur gezüchtet? Gestelzt und gekünstelt?

Weiter dachte ich, daß ich einfach von der Entwicklung noch nicht weit genug fortgeschritten bin, daß ich zum jetzigen Zeitpunkt mit dem zwangsläufigen Nachlassen noch nicht oder nur geringfügung konfrontiert bin, während diejenigen, mit denen ich zu tun habe, die ich bei Feststellung solcher Zustände gern und ausgiebig kritisiere, bereits vollumfänglich darin untergehen oder schon untergegangen sind. Und sich somit ausschließlich mit ‚Problembewältigungen im Idiotenalltag‘ (siehe auch: Wozu also noch reden?) herumschlagen, während ich – wegen meines aktuellen Status – (noch) eine ganz andere Bewußtseinslage habe und mich (noch) mit diesen Luxusproblemen auseinandersetze, mit Idealvorstellungen und hehren Zielen.

Dieser Wahn, in dem man sich befindet, täuscht sehr gut darüber hinweg, daß man in nicht allzu langer Zeit genau mit demselben Irrsinn zu tun bekommt. Und daß man vielleicht dankbar sein könnte, diese Dinge, die sich kaum über die Ursuppe erheben, sich kaum davon unterscheiden, geregelt zu wissen.

Aber jetzt noch nicht. Ich kann noch nicht nachlassen.

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3 Responses to “Ich kann nicht nachlassen.”

  1. Frau Schmidt sagt:

    Es gibt Momente im Leben, wo ich es meditativ betrachte – fast wie im Zen: wenn man beständig völlig eins sein kann mit dem SEIN, mit dem was IST und dies mit Gleichmut und innerem Glück … ja, dann ist wohl jeglicher Anspruch und sind alle hohen Ziele nicht mehr notwendig.
    Aber bis man da angekommen ist, ist es von unbedingter Notwendigkeit seine inneren Ansprüche und hohen Ziele zu verfolgen und ihnen so treu als möglich zu bleiben.
    Und möglicherweise sind die anderen und das Umfeld oder Lebensumstände nur dazu da, um uns zu prüfen und herauszufordern, quasi ausloten, wieweit wir uns und unserem Anspruch treu bleiben und für wie lange.

    • Admin sagt:

      Du hast wohl vergessen, daß ich nicht trinke. Natürlich hast Du damit recht – ich sehe aber auch, daß es mit der richtigen Getränkeuntermalung einfach besser zu kompensieren ist. Momentan muß/will ich mir das Ursuppengerumpel jedoch ungefiltert zu Gemüte führen. Das ist aber schwer. Noch dazu bin ich sensibel. Gestern sah ich z.B. den Weihnachtsmarkt – Du ahnst ja nicht welchen Prüfungen ich ausgesetzt bin.

      • Frau Schmidt sagt:

        Wieso sollte ich das nicht ahnen?
        Meinst Du es ist für mich hier anders? Kaum oder gar nicht …
        Außerdem ist das mit der Trinkkompensation unerheblich, denn Du weißt, daß dies nur wenig und sehr kurzzeitig verschönt, ansonsten aber wesentlich drastischer den Blick auf die üblen Stellen lenkt. Zumindest bei jenen – zu denen ich Dich zähle – die ohnehin ihren Blick drauf haben.

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