Der nützliche Idiot

Jahrzehntelang hatte der nützliche Idiot seinen Dienst vollbracht, aufopferungsvoll, pflichtbewußt, treu. Gleichzeitig naiv und blauäugig hoffend, daß es ihm eines Tages gedankt wird, anerkannt wird und sich bezahlt macht.

Nun ist dieser kleine nützliche Idiot allerdings so gestrickt, daß er sich bei derlei Aufopferung nicht im mindesten die Bezahlung in barer Münze vorgestellt hat. Sondern – da es ja um eine dereinst aus großer Liebe entstandende Verbindung ging – sich den Lohn in höheren Werten ausmalte: Liebe, Glück, Vertrauen, Hochachtung und all die schönen Dinge, die in seinem kleinen Menschenhirn so rumspukten.

Doch das Leben spielte anders und ein eigenes Spiel. Das entdeckte auch der kleine nützliche Idiot und schuf Fakten: Veränderte sein Leben und stellte alles auf den Kopf … entzog sich dem Zugriff und dem Dienst, der nur anderen aber nicht ihm diente.

Soweit so gut – dachte er. Denn er fühlte sich wohl, hatte sich in seinem neuen Leben eingerichtet, das in vielen Bereichen tiefe Zufriedenheit aufgrund des eigenen Schaffens und Tuns hervorbrachte.

Doch da war auf einmal der Gekränkte, der all die Jahre Nutznießer war, aufgewacht aus der Schockstarre, die ihm die vollendeten Fakten bereitet hatte. Und nun dachte er, wenn er dem kleinen nützlichen Idioten vorrechnet, daß sich sein Entschluß am Ende nicht rechnet, also nicht auszahlt in barer Münze, daß dann der kleine Idiot ein Einsehen hat und seine Entscheidung bereut – und nicht nur das, sondern sie sogar rückgängig machen wollen würde. Ja, nun auf einmal war sogar von Gemeinsamkeit die Rede, weil es um Klimpergeld geht.

Der kleine Idiot kehrte traurig Heim und begriff, daß der Nutznießer nie verstanden hat worum es ging und geht. Und er begriff auch, daß er all seine eigenen Hoffnungen endgültig begraben kann.

sadness

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One Response to “Der nützliche Idiot”

  1. Chris K. sagt:

    Ich würde gern mal zwei Dinge gegenüberstellen – zum einen „… den Lohn in höheren Werten ausmalte: Liebe, Glück, Vertrauen, Hochachtung und all die schönen Dinge, die in seinem kleinen Menschenhirn so rumspukten.“ – also hehre Werte, die »selbstverständlich« sind, deshalb hat man diese ja auch – ebenso selbstverständlich – gar nicht angesprochen oder ausgelobt. Vor allem deshalb dürften diese – bar jeder Grundlage – wohl herumgespukt haben. Darum waren diese „höheren Werte“ auch nicht belastbar, damit nicht einzufordern, letztlich uneinbringlich.

    Zum zweiten die spannende conclusio: „er begriff auch, daß er all seine eigenen Hoffnungen endgültig begraben kann.“
    Ja, natürlich! – zumindest die Hoffnungen auf uneinbringliche Forderungen, deren Spuk bei der Aufzählung im ersten Satz bereits aufgefallen war. Allerdings hat er sich wohl, trotz des Jahr für Jahr augenfälligen Niedergangs, offensichtlich noch ein paar Jährchen diese unbegründeten Hoffnungen geleistet, auf diese spekuliert.

    Deshalb jedoch alle Hoffnungen zu verlieren, also sie zu begraben ist der falsche Schluß – zumindest in diesem Zusammenhang. Es ist nämlich durchaus von großem Vorteil sich von unbegründeten Hoffnungen zu heilen, sich davon zu erlösen, siehe: „Denn er fühlte sich wohl, hatte sich in seinem neuen Leben eingerichtet, das in vielen Bereichen tiefe Zufriedenheit […] hervorbrachte.“

    Hier werden nämlich Werte abgefordert, die belastbar sind – während die vorgenannten „höheren Werte“ nur dann belastbar sind, wenn sie jemand teilt, sonst sind sie chimärisch.

    Der eigentliche Grund für wenig Anlaß auf Hoffnung liegt in der unvorstellbar miserablen Beschaffenheit der Menschen*, die sich selbst verraten und verkaufen, offenkundig den Glauben verloren haben. Die Hoffnung kann nur darin bestehen jemand zu treffen, der sich seinen Glauben noch erhalten hat.

    * Dreißig Silberlinge stellen doch in manchen Augen auch schon einen gewissen Wert dar, besonders wenn die höheren Werte, von denen Du sprichst, die Phantasie übersteigen.

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