Asche auf mein Haupt.

Ich hatte ja gestern den Film gesehen, den (vor-)letzten Angelopoulos-Film „Dust of Time“ („Trilogia II: I skoni tou hronou“, 2008). Habe dabei den Fehler gemacht, diesen zuerst in der deutschen Synchronisation mir zuzuführen um nach kürzester Zeit dann festzustellen, dass diese Synchronfassung unheimlich schlecht ist, unheimlich hölzern wirkt, also spröde und ungelenk und unglaubwürdig. Dazu Dialoge, die ablaufen wie überhaupt niemand in der Welt spricht.

Ich schaltete deshalb mitten im Film um — ich war schon genervt — auf die andere Sprachversion, nämlich Englisch oder eigentlich die internationale Version, in welcher der Film ursprünglich gedreht worden war. Es wurde nicht besser, denn ich stellte nur fest, dass die Sprache in den Hauptdialogen, neben vereinzelten Sentenzen, unheimlich flach war, unheimlich seicht war, wenig ausgefeilt, unausgereift. Die Sätze zusammenhanglos, belanglos, dahingesprochen.

Die ganze Handlung wirkte ebenfalls sehr bemüht. Vielleicht nicht die Aussage verfehlend, dass die Menschen haltlos, dem Herbstlaub gleich, als Verfügungsmasse zwischen Geschehnissen von Weltrang hin- und hergeweht werden, doch der kaleidoskopartige Zusammenschnitt solcher Geschehnisse, dazu ausschnittweise Begegnungen der Protagonisten, dem häufigen Pendeln zwischen Zeitebenenen und die schlechtsitzenden Kostümierungen, die die Hauptpersonen in unterschiedlichen Altersstufen darstellen sollten, passte unfreiwillig gut zu den nichtssagenden und dann wieder überbordend bedeutungsvollen Dialogen.

Insgesamt war das, was ich da sah nicht wirklich überzeugend. Vielleicht war es dem fortgeschrittenen Alter des Regisseurs geschuldet, der 2012 gestorben ist, oder dem Gesindel, das das Geld für diesen Film zusammenkratzte und dafür ins Drehbuch reinquatschte, oder der internationalen Besetzung, das die Dialoge auf Sprachrudimente herunterbrach. So spielten neben der internationalen Besetzung (Willem Dafoe, Michel Piccoli, Bruno Ganz), einige deutsche Nebendarsteller, die mit Brachialakzent ein unheimlich schlechtes Englisch sprachen und damit sehr gut den status quo der Resteverwalter der Dichter und Denker zur Schau stellten.

Alles in allem also kein Film, den man sich ansehen sollte. Schon gar keiner, den man verschenken sollte — trotz einiger weniger starker Bilder. Asche auf mein Haupt, lieber Theodoros.

Ich habe ja heute noch Zeit mir etwas anderes auszudenken. Leider nicht wirklich.
Ich schaue einfach mal was mir einfällt. Ich habe nämlich schon wieder den Eindruck, das kann so nicht bleiben. Ich werde einen Plan-B brauchen, um dieses Geschenk möglichst ungeschehen, möglichst ungesehen zu machen.

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3 Responses to “Asche auf mein Haupt.”

  1. Frau Schmidt sagt:

    Deine Negativ-Kritik an dem Film spornte natürlich an, ihn nun erst recht anzusehen. Auch wollte ich mich durch Deine Einschätzung nicht davon abbringen lassen, mir mein eigenes Urteil zu bilden. Denn wir sind ja nicht immer einer Meinung.

    Also schaute ich gestern Abend rein. Aber eben wirklich nur rein … denn ich hielt es ehrlich gesagt nicht lange aus. Dabei waren für mich im ersten Moment noch nicht mal die stelzig-hölzernen Dialoge oder die grauenhafte Synchronisation der ausschlaggebende Punkt. Ich empfand schon den gesamten Anfang des Films als sehr eigenartig.

    Es gibt viele Filme, bei denen es eine Weile braucht bis man der Handlung richtig folgen kann und die mit Zeitsprüngen arbeiten. Gut gemacht ist das auch nie ein Problem, weil einen irgendwas weiterschauen lässt, einen etwas fesselt und gefangen nimmt. Sei es gutes Schauspiel, faszinierende Bildsprache. Jedoch hier muss man lange warten bis die eine oder andere Bildsequenz, Farbstimmung oder Komposition einen gefangen nimmt – leider geschieht das sehr selten (und wie gesagt habe ich gar nicht lange gewartet) und das Schauspiel nimmt schon mal gar nicht gefangen. Auch die Musik ist erstaunlich schlecht …

    Schade um das was es gekostet hat.

    Aber Plan B ist doch dann voll aufgegangen und hatte es FAUSTdick hinter den Ohren. Hier spielt eine ganz andere Musik sozusagen, also der gesamte Film ist von ausgesprochen poetischer, bildgewaltiger Sprache und zugleich derb und heftig, aufwühlend. Den hatte ich bereits den Abend zuvor angesehn. 
Von daher alles gut und eben doch richtig gemacht.

    (P.S.: Dem Film entsprechend liest sich Dein Beitrag auch etwas hölzern und hat an zwei Stellen durch Tippfehler Unklarheiten im Satzsinn.)

  2. Frau Schmidt sagt:

    Noch ergänzend: Ich habe nichts dagegen wenn Filme betont langsam sind, sich Zeit lassen und eine fast meditative Bildsprache haben in ihren Einstellungen.

    Hier jedoch habe ich leider den Eindruck als wenn das langsame Zoomen oder eine Einstellung halten geschieht, weil einem nichts anderes eingefallen ist. Das ist sehr schade und traurig, denn bei den anderen Filmen von Angelopoulos ist ja gerade das seine Stärke.

  3. Admin sagt:

    mea fucking culpa.

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