Einladung ins echte Leben.

Was mich auch noch schwer interessiert, was ich als sehr spannend einschätze, wie heute Abend diese Geschichte abläuft. Also nicht grundsätzlich. Grundsätzlich weiß ich ja bescheid. Obwohl dieser Tag – wie jeder andere – neu improvisiert werden muss, gibt es natürlich basics, die notwendigerweise, begründet durch die Persönlichkeit der Protagonisten, offensichtlich immer so ablaufen müssen, obwohl diese – wie ich schon mehrfach beteuert habe – keinen Sinn ergeben.

Aber das ist gar nicht worum es mir geht, sondern ich bin aufgeregt, ob heute Abend tatsächlich diese Stellungnahme, diese Wertschätzung, eine ehrliche Einschätzung und diese Anerkennung ausgesprochen wird: „Ja, es schmeckt mir gut.“ Das ist in meinen Augen hochspannend und ich gehe jede Wette ein – ich kann ja viel behaupten, wenn ich es doch nicht einhalten muss – dass genau das an diesem Abend nicht zur Sprache kommt.

Vielleicht wird es ein erzwungenes feedback werden. Das kann ich mir noch am ehesten vorstellen. Aber aus sich selbst heraus, aus Lebensfreude, aus Glückseligkeit und Begeisterung darüber, dass man es so gut getroffen hat, dass der Tag so gut verlaufen ist, dass Gott und das Leben es so gut mit mir heute meint – das wird nicht kommen. Das ist komplett verschüttet.
Genau aus diesem Grund ist diese gesamte Art und Weise, diese Überhäufung mit eingebildeten Genüssen nicht notwendig, strenggenommen übers Ziel hinausgeschossen, weil es ja nie und niemals diese Bestätigung hervorbringen, die erhoffte Erfüllung und diesen Genuss offensichtlich nicht erzeugen kann.

Erzeugt wird nurmehr Apathie, Selbstmitleid und vielleicht eine diffuse Genugtuung. Was allgemein nicht verwundert, wenn man diese Wonnen tagtäglich erwartet und in seinem Leben mit seinen übersteigerten Ansprüchen im Alltag schon zwangsläufig ins Hintertreffen geraten ist, weil diese Höhepunkte wahrscheinlich schon einige Monate und Jahre ausgeblieben sind, diese Vorzugsbehandlung, diese Leckereien und Ergüsse – kurzum die Völlerei, die man für sich erwartet, ohne sich dafür bedanken zu wollen, ohne sich erkenntlich zeigen zu wollen, sondern diese einfach als gottgegeben hinzunehmen, ohne dass man etwas dafür tun müsste und auch in Zukunft nichts dafür tun wird.

Insofern halte ich wirklich jede Wette, dass es zu einem herausgepressten feedback nur kommt, und das dann aber mit den Worten: „Ja ja, ganz ok.“ schon abgetan ist. Und das ist eigentlich traurig. Es ist das Gegenteil dessen, was man sich von einer freundlichen Einladung und lebendiger Gastfreundschaft verspricht. Das ist Nihilismus.

Der Nihilismus wird offenbar nur noch gestört durch immer neue, überzogene Erwartungen – sonst könnte man ja wirklich alles sausenlassen.

Ich bin gespannt.

Hoffentlich muss ich nicht lachen wenn’s soweit ist.

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10 Responses to “Einladung ins echte Leben.”

  1. Frau Schmidt sagt:

    Und? Hast Du die Wette gewonnen?
    Wahrscheinlich ja – bei Deinem Glück …

    Es gibt da so eine Geschichte vom Schlaraffenland, die haben wir in der Schule gelesen und mussten ein Bild dazu malen. Auch Bruegel hat es sehr schön in seiner sinnlichen Bildsprache festgehalten. Bei so viel Anstrengung alles in sich hineinzuschieben bleibt auch kein Raum mehr um „Danke“ oder „Oh, wie lecker“ oder „Das schmeckt total gut“ und dergleichen zu sagen. Allenfalls „Piep“ um zu betonen, dass man noch lebt.

    Mir geht dabei gerade durch den Kopf, dass diese Schlaraffenland Geschichte im Wirtschaftswunderland sicherlich sehr beliebt war und schwer Eindruck machte. Quasi als Lebensziel auserkoren wurde. Weder für die Leckereien selber etwas tun müssen, noch eine Danksagung auf den Lippen – geschweige denn im Herzen – zu haben.
    Traurig.

    Da hilft auch keine gewonnene Wette.

  2. Admin sagt:

    Ich habe meine Wette gewonnen.

    Es war das erzwungene feedback. Und es war irgendwie nicht zum Lachen. Die Traurigkeit über den Verlust von Menschlichkeit überwog.

  3. Admin sagt:

    Jetzt wo ich eine Nacht drüber geschlafen habe, fiel mir der Text aus 2012 wieder ein „Die zerbissene Hand.“: „Es scheint dieser Tage unvorstellbar zu sein eine Anerkennung auszusprechen. Jedermann beißt sich gern und ausgiebig in die Hand, um nicht reagieren zu müssen auf Präzision, Passgenauigkeit und Schärfe. Stattdessen wird der Handapparat durchgebissen, vor Scham, vor lauter Nichtsnutzigkeit. Vor Dummheit und Erbärmlichkeit. Je perfider die Ausrede zur Anerkennung, je verstümmelter die Hand des Gegenübers, desto größer also mein Verdienst. Je lauter ich aus der Rede ausgespart werde, desto größer scheint offenbar meine Leistung zu sein. Je mehr mein Telefon nicht klingelt, desto größer mein Verdienst an der Menschheit, desto großartiger und näher an der Sache.“

  4. Frau Schmidt sagt:

    Die Erwähnung dieses Textes in Zusammenhang mit dem neuen Artikel ruft in mir ein starkes déja vus hervor: Szenen einer Ehe – wenn frau jahrzehntelang kocht und macht und tut … und dies als eine Selbstverständlichkeit angesehen wird. Als heilige Pflicht sozusagen. Die Aufmerksamkeit kommt aber garantiert in Form von offenem Haß, wenn z.B. eine Sehne das zarteste Fleischstück durchzieht oder aus irgendwelchen Gründen es nicht den Geschmack traf. Da kommt kein:“Danke für Deine Mühe, aber mir schmeckt es nicht so.“ Oder was ähnliches. Es folgt die vernichtende Ablehnung als wenn ich eine Verräterin bin, eisiges Schweigen mit haßerfülltem Blick. Liebesentzug gibt es gratis als Dessert.
    Mir sind also Deine Schilderungen sehr vertraut.
    Und wenn man von den kulinarischen, leiblichen Genüssen absieht und all die vielen anderen Dinge im Leben betrachtet, wo der Mensch als solcher sich zu einem Danke und einer Anerkennung oder gar Lob hinreißen lassen könnte – tja, dann gibt es nicht viel zu betrachten, denn derlei Handlungsweise ist rar. Quasi am Aussterben.

    Mir gingen auch noch andere Gedanken zu Deinem Beitrag durch den Kopf:
    Die Krux mit unserer Wohlstandsgesellschaft ist, dass es uns in Fleisch und Blut übergegangen ist, für die Dinge teuer zu bezahlen. Selbst wenn viele Menschen heutzutage gar nicht mehr in persönlichem Wohlstand leben, so haben sie diesen Umstand des Bezahlen-Müssens um etwas „Gutes“ zu haben, verinnerlicht. So wie eben in einem Restaurant ein fetter 50 Euroschein ganz klar aussagt, dass man sich was geleistet hat und das muss dann auch gut sein.
    Mein Vorschlag: Nimm’ demnächst einen saftigen Obulus für Deine Leckereien und Du wirst sehen, dass die Betroffenen gleich ganz anders geöffnet sind in ihren Sinneswahrnehmungen.
    Wollen wir wetten?

  5. Admin sagt:

    Danke erstmal für Deine Kommentare. Du sprichst Dinge an, die ich für nicht nachvollziehbar, für entsetzlich aufgesetzt halte.
    Erstens, die hohe Erwartungshaltung, der existenzielle Nachholbedarf nach dem großen Hungerwinter ’46. Kennst Du jemanden, der das erlebt hat? Wir kennen nur Maulhelden, die ihre grenzenlose Unersättlichkeit damit konterkarieren, obwohl sie erst fett in Fünfzigern geboren wurden (was durchaus keine besondere Üppigkeit in allen Lebensfragen garantieren konnte).
    Zweitens, Vorzugsbehandlungen vom Leibarzt, vom Chef de cuisine, inklusive sehnenfreiem Braten erster Güte, muß man sich verdienen – da reicht sicherlich keine einfache Heirat und kein anderes Universalversprechen oder Lippenbekenntnis. Sowas überhaupt zu erwarten, scheint mir infantil. Vor allem, dies in einer Generation zu erwarten, die mit tradierten Werten, Aufopferung und Selbstverzicht der Frauen bricht, das ist für mich ohne Worte.
    Drittens, ich werde nicht für Geld einladen, es zeigt zu sehr den Standesunterschied und macht sicherlich noch mehr Probleme als ruinöse Großzügigkeit. Insofern: Keine Wettannahmen, sry.

  6. Admin sagt:

    Ich habe noch vergessen zu erwähnen, daß mir eine Sache ganz besonders absurd erscheint: In allen Fragen mit dem geliebten/verhaßten Vater zu brechen, aber unerwartet in Art und Weise der Frauenbehandlung, bzw. in Fragen der Gleichberechtigung, d.h. offene Mißachtung von Menschenrechten der Frauen, plötzlich und „natürlich“ grenzen- und gedankenlos übereinzustimmen. Wie geht das zusammen? Das paßt in keinen Kopf.

  7. Frau Schmidt sagt:

    Deine angeführten Punkte verstehe ich nicht.
    Wo spreche ich vom Hungerwinter ’46, welche hohe Erwartungshaltung, und wo sage ich etwas über den geliebten/verhaßten Vater?
    Ich sprach im ersten Kommentar von Dingen, die in der Schule vorkamen – dem Schlaraffenland-Märchen. Viele jener Lehrer, aber eben auch Eltern und natürlich Großeltern, hatten die Hungerjahre miterlebt. Also kannte ich solche Menschen. Vielleicht war das zu Deiner Schulzeit anders.

    Das mit dem Obulus war ein Sinnbild, um zu verdeutlichen was der eventuell mit der Wahrnehmung der Menschen macht, wenn sie für etwas bezahlen müssen. Es bedeutete nicht, dass Du es tun sollst. Aber ich gehe davon aus, dass Du das im Grunde weißt.

    Deinen letzten Kommentar verstehe ich komplett nicht.

  8. Admin sagt:

    Die Mißverständnisse rühren sicher daher, daß ich mich nur am Rande auf Deine Beispiele beziehe, weil ich diese nicht genau kenne. Wenn ich mich dann auf meine Bespiele beziehe, die ich unmittelbar vor Augen habe, kommst Du nicht mit, weil Du diese nicht kennst. Noch eine Anmerkung: Wenn ich hier „Du“ als Anrede großschreibe bist Du nicht explizit persönlich gemeint. Das kann sich gern jeder reinziehen, wie er will – oder es abschmettern.

    Ich bemühe mich sehr darum präzise zu verstehen zu sein, und kann darum auch sehr gut auflösen: Phantomschmerzen, der in den 50ern Geborenen, beziehen sich ausnahmslos auf prenatale Steißlagen. Meist sogar vor der Befruchtung (darum illegitim). Erst gestern habe ich mich der Unverzichtbarkeit und der Hochheißung des grenzen- und pietätlosem Materialismus, i.d.R. übertriebenes Selbstwertgefühl, inkl. Nichtverzicht bei sog. Leichenfledderungen eigenhändig versichert. Wir reden hier von Rückhaltlosigkeit, Grenzenlosigkeit, Schamlosigkeit – von unerfreulichen Untugenden.

    Wer mehr für sich beansprucht als auszuhalten ist, was soll man von dem meinen? Das ist schlechter Geschmack.

    Weiter, die Niedrigkeit der Frau für normal zu halten, das liegt vielleicht an niedrigen Frauen. Das soll glauben wer will. Ich habe großartige Frauen jeden Alters gesehen, die den Mann mit seiner langweiligen, vorhersehbaren Alltagsdarbietung von sich selbst überflüssig gemacht haben. Solche Frauen gibt es heute kaum noch. Gleichgelieben ist, daß Männer nachrangig sind, die die Niedrigkeit der Frauen mühelos noch unterbieten. Danach erst sind Frauen langweilig und ohne Inspiration.
    Männliche Ölgötzen ohne Funktion – das Sperma ist irgendwann vergoren, da hilft auch kein Multivitamin. Darum läßt man sich auch keine Kinder machen von über Vierzigjährigen, die werden verblödet, weil das Sperma sich schon nicht mehr bewegt, wie soll sich da der entstehende Mensch regen, irgendwann lebendig im Kopf werden?

    Noch weiter, jeder Idiot sucht nach einer Möglichkeit irgendeinen subalternen Affen zu finden, den er dominieren kann – das liegt in der degenerierten Menschennatur. Wenn die Intelligenz zu groß wird geht die Gleichung nicht mehr auf = wird Selbstbefriedigung zur einzigen Lösung. Zur heiligen Pflicht.
    Ergo: Wenn Du ein Idiot bist, findest Du einen Partner, wenn Du ein Mensch bist, bleibt nur Dein eigenes Glück im Dunklen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

    Wenn Du einen schöngeistigen Mann hast, der Dir die Küche überläßt, ist das ein sicheres Indiz seiner Verblödetheit und verklemmter Allmachtsphantasien. Ein Mann von Format schneidet seine Zwiebeln und kocht selbst. Hast Du so erlebt – ich verstehe die Fragestellung dann nicht: Was Du gesehen hast war hier die Wirklichkeit. Wenn es die nicht geben kann, bleibt nur die eigene Wirklichkeit (s.o.), die man sich eigenhändig erschafft.

    Das habe ich genauso für mich: Wenn das, was ich will bei Frauen tot ist, dann ist das tot. Ich kann es mir nur selbst erschaffen. Traurig aber 100% wahr. Und ich schaffe es selbst, weil Frau es nicht schafft, es nicht übers Herz bringt.

    Was schert mich also die degenerierte Frau? Sie ist zwar da – aber ich will sie nicht. Ich schaue weg, um nicht schlecht zu träumen.

    Ich kann nur hoffen, habe alles und noch viel schlimmer als erwartet beantwortet. TY. [editiert am 14.06.]

  9. Admin sagt:

    Komme nicht umhin, mich nochmal auf meine Pauschalverurteilung der in den 50ern Geborenen zu beziehen: Selbstverständlich stehen auch sämtliche Protagonisten der übrigen Dekaden, mit ihren spezifisch-pathologischen Dachschäden, den vorgenannten in nichts nach.

    Das war unsauber formuliert, angesichts haarsträubender Ereignisse und Lebensbildprojektionen der Vorwoche, und eindeutig mein Fehler. Sry.

  10. Frau Schmidt sagt:

    Bleibt zu wünschen, dass alle in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren Geborene Dich erhören und sowohl die Entschuldigung annehmen – wie ich es tue – als auch sich zu Herzen nehmen was hier zu lesen ist und sich um ihre Dachschäden kümmern.

    Meinerseits sehe ich ein, wie Dir gegenüber bereits erwähnt, dass es keinen Sinn machte in meinen Kommentaren mit Beispielen aus meinem Leben zu kommen, die nicht in unmittelbarer Verbindung stehen und nur einen Haufen Verwirrung stifteten.

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