Abstrakte Realität II

Eigentlich Abstrakte Realität zweieinhalb. Denn nach ziemlich genau zweieinhalb Jahren begab ich mich wieder auf eine kleine Reise, für nur knapp fünf Tage – vier Übernachtungen.

Weil es ein sehr persönlicher Besuch war, war auch im Vorfeld schon klar, dass keine Zeit fürs Zeichnen und Malen sein wird. Wenngleich ich dennoch einen Zeichenblock und Stifte sowie einen Aquarellblock samt winzig kleinem Reiseaquarellkasten mitnahm. Beides kam sehr spärlich zum Einsatz, denn die meiste Zeit waren mein Gastgeber und ich am reden beziehungsweise unterwegs. Seine Stadt erkunden aus luftigen Höhen und zu ebener Erde, in Parks und auf Friedhöfen, am Hafen und auf ehemaligen Industriegeländen. Und dann ein Tag in der Arktis – in einem Traum aus Weiß mit kleinen dunklen Punkten, die sich bewegten – mit Echohall – mit dem Gesang der Buckelwale – mit dem Gefühl der Endlosigkeit und dem Hauch von Ewigkeit im Herzen. Atemberaubend im Hier und Jetzt – sirenenhaft. Erst der Blick aus schwindelnder Höhe mit heftigen Windböen brachte die Realität wieder ganz nah.

Auf all diesen Exkursionen begleitete mich eine kleine Digitalkamera – so eine ohne Sucher, was mir nach wie vor Probleme bereitet. Aber sie leistete gute Dienste im Einfangen meiner Eindrücke und Sichtweise. Alle Fotos sind quasi ein Zeitdokument für mich, haben einen dokumentarischen Charakter und sind von daher wertvoll, wenngleich nur sehr wenige von ihnen auch einen fotografisch-künstlerischen Wert haben.

Als ich sie den einen Abend wieder ansah, kam ich auf den Gedanken, mit nichtssagenden Motiven rumzuspielen. Derlei Spielereien macht man ja heutzutage mit Photoshop und nicht mehr in der Dunkelkammer – die sinnliche Erfahrung ist so nicht gegeben – aber die Überraschungseffekte können mitunter doch erstaunlich sein. Ich für meinen Teil stellte jedenfalls fest, dass sehr viel abstraktes Potential in den Bildern steckt und einen völlig anderen, fascettenreichen Blick eröffnet. Durch Anwendung verschiedenster Überblendungen und Spiegelungen bekommen die Fotos plötzlich etwas sakrales, erhabenes, mysteriöses, geheimnisvolles, phantastisches und wegen der Abstraktion geben sie viel Raum zur Interpretation. Und plötzlich entstand eine neue Bilderserie von meiner Kurzreise, meinem Besuch – eine Serie, die sehr persönlich ist und diese persönlichen Empfindungen von mir auch ausdrückt.

Ich gewähre einige Einblicke.

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3 Responses to “Abstrakte Realität II”

  1. Admin sagt:

    Infernalisch! Warst Du etwa bei einem der Apokalyptischen Reiter?

    • Frau Schmidt sagt:

      Offensichtlich – aber das war mir vorher nicht aufgefallen …

      Muss ich wohl eine nachhaltig ansteckende Inspiration bekommen haben – oder war es eine Infusion?

  2. Frau Schmidt sagt:

    Was ich eigentlich sagen will ist, dass es für mich nicht so infernalisch daher kommt, nur weil es düster erscheint. Im Innenraum einer Kirche ist es auch düster, meistens, die farbigen Mosaikfenster geben spärlich Licht – ein Licht, um das es nur am Rande geht, denn im Vordergrund stehen die Farben, der Zauber, der Eindruck. So empfand ich es auch die Tage über: wie ein fließender Zauber an Eindrücken, ineinander verschmelzend, von einem anderen Blickpunkt wieder etwas Neues ergebend, ständig in Veränderung auf feinste, subtile Weise. Wie der Blick durch ein Kaleidoskop bei kleinster Drehung das schöne Muster in ein anderes schönes Muster verändert. Alles war möglich ohne dass es herausgefordert werden musste oder mit Macht heraufbeschworen wurde. Es war gut so wie es war.

    Dass die Bilder hier einen eher düsteren Eindruck vermitteln hat absolut nichts mit meiner realen Wahrnehmung der Tage zu tun. Sondern sie bringen die Brillanz der Farben, ihre Magie, stärker zum Ausdruck und sind mit den vielfältigen Musterfacetten für mich ein zauberhaftes Sinnbild.

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