Vom Unglauben.

»Ich stehe auf einer Basis, die es nicht gibt. Und das weit zu lange.«  All‘ meine Positionen sind unglaubwürdig. Ich gebe mir zuviel Mühe. Ich kritisiere. Gebe keine Ruhe. Bin nachdenklich. Ich will das beste Resultat, gehe auf den Grund ‒ ich kämpfe dafür. Ich meine auch noch was ich sage. Ich lebe auf Grundlage meiner Überzeugungen. Ekelhaft! Wer soll das Mitanhören oder Lesen?! Wer, verdammt?!

Da stehe ich also. Brauche das für mein Selbstverständnis ‒ gehe mit meinem Kopf auf große Reise. In die Zeit und in die Fremde. Will wissen wo oben und unten ist. Kann mich nicht an jedem Kackhaufen aufgeilen, an keiner Headline der Gratiszeitung, nicht an schönen Worten, nicht an notdürftig zusammengelogenen Lippenbekenntnissen. Nicht an Oberflächlichkeiten und Lebenssimulationen. An keinem Sonderangebot.

Damit stehe ich fern der Oberflächlichkeit und Simulation, die uns allezeit umgibt. Unterschätzt habe ich: Die Nichtswürdigkeit und der Informationsdreck ist übereingestimmt und allgemein akzeptiert. Unvorstellbar für mich! Keiner will eine Antwort, auch nicht wenn er explizit danach fragt. Keiner will Wahrheit, auch nicht wenn er das vorgibt. Keiner will tiefe Begegnungen/Berührungen, auch nicht wenn es eingefordert wird. Übereingestimmtheit von Wort und Tat ist nicht im Repertoire, nein, es ist ‒ bei Zungeabbeißen ‒ verboten!

Mit vollem Bewußtsein auf Kollision? Dann lieber unbewußt, und mit voller Absicht, an allem, am ganzen Leben, sogar sich selbst vorbei. Mit Wonne und zuckersüßem Selbstverrat.

Darum besser keine Fragen stellen. Oder nur Fragen rhetorischer Art, um Pausen zu überbrücken. Pausen zwischen Dingen, die man auch schon nicht wissen, sich nicht vorstellen will. Zwischen zwei Augenblicken der Hilflosigkeit. Zwischen zwei nichtswürdigen Positionsmeldungen, Pauschalentwürfen, dem üblichen, unbedeutenden sich-in-Positur-bringen der Halbaffen und Maulhelden, die nichts tun als ihr ganzes Leben mit Nichtstun, Lautsprecherei, Bedenkentragen und Nachsagen von Allgemeinplätzen zubringen.

Ich arbeite zwölfmal soviel, nur um für mich selbst informiert, zufrieden und im Bilde zu sein. Das aber ist maximal unglaubwürdig. Sie glauben lieber an die Instanz, die es für nur zwanzig Pfennig zu kaufen gibt. An den Hochverrat aus dem Propagandafunk ‒ ganz gleich was es für sie zu bedeuten hat. Nach all‘ meiner Arbeit stehe ich zurück, weil das Lautsprechertum und das Bedenkentragen sehr viel glaubwürdiger wirkt, weil die Inszenierung aus dem Äther oder gedruckt sehr viel imposanter und aufwendiger ins Visier rückt als alle Nachdenklichkeit und ehrliche Überzeugung auf Grundlage echter eigener und recherchierter Informationen.

Die Welt sieht dadurch so aus wie sie aussieht. Es macht also keinen Sinn Informationen oder Überzeugungen zu teilen. Die Ungläubigen haben ihr Mandat längst als Abonnement vergeben. Und es sind einige. Mich braucht es gar nicht. Meine Lösungen und Antworten braucht es gar nicht. Nicht für irgendwas. Mein Fehler, dass ich dem aufwendig inszenierten Schein meinen Glauben nicht schenken kann. Bin wohl ungläubig. So jedenfalls könnte es sein.

So vielleicht könnte es sein.

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2 Responses to “Vom Unglauben.”

  1. antidot sagt:

    This ain’t easy stuff so early in the morning … have to chew on it a while.

  2. antidot sagt:

    Es bleibt schwierig, auch nach gründlichem zerkauen und einspeicheln.

    Was gibt es dazu noch zu sagen? Wenig bis nichts.

    Ich könnte davon erzählen, dass ich vor …zig Jahren ähnliches erlebte, wie Menschen mir ungläubig entgegentraten und mein Argumentieren und Reden vergebliche Liebesmüh war. Sich also nichts und niemals etwas ändert …
    Doch wozu sollte ich das schreiben? Für wen? Du weißt es, andere lesen es nicht und selbst wenn, dann scheint es sie nicht zu interessieren.

    Und ich muss gestehen, dass ich noch immer nicht glauben will (also auch ich eine Ungläubige!), dass sich nie etwas ändert. Ich denke es kann, auch bei anderen, doch das wird nicht in meiner Hand liegen. Sondern in deren.
    Warten kann ich wohl kaum noch so lange – aber hoffen.

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