H I O B – ich grüße Dich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von allen Fronten hagelt es Hiobsbotschaften herein. Kaum ein Tag oder eine Woche, wo keine schlechten Nachrichten eintrudeln. Gute ohnehin nicht, die gibt es anscheinend nicht mehr oder die sagt man mir nicht.

An der Westfront tobt der Kampf ums nackte Überleben, weil der Boden schon vom Blute getränkt und verbraucht ist. Und wenngleich die Arbeitskraft noch vorhanden, so kann diese wenig mit einem ausgelaugten, versäuerten Boden anfangen. Ein Freund ist vor Ort, ist mittendrin und betroffen und wenn ich nichts von ihm höre, muß ich das Schlimmste befürchten.

An der Ostfront spalten sich die Lager in diejenigen, die vor Kohle nicht wissen wohin damit und meinen es sei eine gute Idee, diese dem Feind in den Rachen zu werfen  – und jenen, die schon seit Jahren von Hartz sich ernähren. In beiden Lagern kenne ich Betroffene. Die Freundin mit Hartz bekam nun einen 1-Euro-50-Job aufgedrückt. Sie ist am Verzweifeln, weil sie nebenher ihre Mutter pflegt, kaum Zeit für so einen Job hat und keine Ahnung wieviel sie von den verdienten 120 Euro im Monat behalten darf. Angesetzt waren 30 Stunden die Woche, doch mit dem Attest eines Lazarettarztes konnte sie es auf 20 Stunden herabsenken lassen. Sie ist mit der Weile auch in einem Alter, wo man vor zehn Jahren noch die Rente hätte einreichen können … Was bleibt ist Gejammer und Geklage, das Aufbrauchen des Notgroschens, denn es herrscht bereits Not und der Versuch, einen Rest Würde zu bewahren und den Gang zur Caritas Suppenküche so lange als möglich hinauszuschieben.
Das Lager derer mit Kohle ist jedoch weiterhin gutlaunig und bestens aufgelegt. Man hat nur die Not der Entscheidung, welchem Feind das Vermögen anvertraut werden soll. In ihren Augen ist das Leben immer noch bunt und schön und lebenswert, voller Abenteuer und Herausforderungen, voller Möglichkeiten, die man nur nutzen muß – denn schließlich hat ja ein jeder in unserer demokratischen Republik die Chance dazu.

Zwischen den Fronten, also in der Mitte der Nation, kommen wöchentlich Meldungen von neuen Toten, neuen schweren Krankheiten die behandelt werden müssen, von Rückschlägen oder Aufgabe und Tod. Egal ob im nahen Familienkreis oder nur vom hörensagen als stille Post vernommenes: alles wird weitergegeben. Offensichtlich in der panischen Vorstellung, daß es morgen schon keine schlechten Nachrichten mehr geben könnte.

Doch keine Sorge: Hiob lebt!

 

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2 Responses to “H I O B – ich grüße Dich”

  1. Admin sagt:

    Hiob grüßt natürlich zurück. Ich hatte mich extra ein wenig zurückgenommen, um nicht wieder auffällig zu werden mit Unglücksbotschaften und schlechter Laune. Aus dem Todesstreifen gibt es jedenfalls nichts neues. Die nächste Woche wird allerdings turbulent. Dann kann ich sicher auch wieder sprechen … – also wenn alles gut läuft.

    P.S.: Schönes Bild übrigens.

    • Frau Schmidt sagt:

      Die schlechte Laune ist ganz auf meiner Seite – von daher alles bestens!
      Und da wir beide gut sind im still sein wenn es dicke kommt und angemessen ist, erwartete ich auch keine Wasserstandsmeldung.
      Dennoch: schön von Dir zu lesen …

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