Am Anfang vom Ende.

Ich bin längst angekommen. Und ich war lange vor Euch da. Hab‘ kürzlich noch versucht Menschen einzufangen. Hab‘ Euch Tischdeckentricks vorgeführt. Eigentlich nur um Anteil zu haben, an dem „irgendwas“, an dem, was eigentlich „vakant“ sein sollte, weil es als „lebendig“ und „aktiv“ zitiert und ununterbrochen zelebriert wird: „Angebot und Nachfrage“, „Der freie Markt“, „Die Gesellschaft“ und ebenso „Der interessierte, aufgeschlossene Mitmensch“. Das alles gibt es nicht. Keine dreihundertstel Sekunde lang. Es war jedenfalls ein Vierteljahrhundert (sic!) nicht am Platz, weder „aktiv“, noch „lebendig“, nichts von allem. Und ich saß die ganze Zeit am Telefon! Was ich dagegen allezeit wahrgenommen und erfahren habe, war die grenzenlose Stumpfheit und Vernageltheit der Menschen. Manche Stumpfheit erst auch auf den zweiten Blick. Durchaus auch Stumpfheit, die sich erst nach fünf oder zehn Jahren offenbart und endlich herausgeschält hat. Andere Stumpfheit dagegen entblößte sich in der ersten Sekunde schon.

Je mehr ich fragte und „es wissen wollte“, war eigentlich schon nichts mehr „vakant“. War nichts mehr, von nur irgendwas zu sehen. Alle Versprechen waren Versprechungen die nicht eintraten. Versprechen, auf die ich mein Leben aufbauen mußte. Alle Freundschaften waren Bündnisse, die im Bedarfsfall nichts galten. Freundschaften, die ich lebenswichtig gebraucht hätte. Helfer waren ahnungslos oder standen bestenfalls selbst hilfesuchend entgegen. Helfer, die für mein Leben und Weiterkommen nötig gewesen wären. Auf alle Fragen erhielt ich Pauschalantworten und grenzenlos dumme Lösungsversuche angepaßter Selbstverräter und Vollidioten. Antworten, die nichts aussagen, noch für mich etwas bedeuten konnten.

Novembernacht

Ich hörte mich vor einigen Tagen sagen und habe die Sentenz aufgezeichnet: Es ist das Ende des Selbstbetrugs. Und das ist es wohl. Es ist wohl die Erkenntnis, dass alle um mich herum versagt haben. Und ich selbst damit versagt habe: Weil ich niemanden finden konnte, der die Glut weitertragen konnte! Ich habe es mir nicht leicht gemacht, habe Hunderte und Tausende gefragt. Vergeblich.
Damit kann auch kein Traum mehr stattfinden. Ich stehe auf einer Basis, die es nicht gibt. Und das weit zu lange. Und an manchen Tagen treibt es mich noch weiter. Ich bin der Träger der Glut, die ganz allmählich durch mich hindurchbrennt. Ins große Nichts der Welt.

Ich habe mich versündigt. Bei meinen Kunststückchen. Ich bin zu weit gegangen.

Kann nicht mehr weiterhelfen. Nur noch für mich weiterdenken.

Die Positionen unvermittelbar.

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3 Responses to “Am Anfang vom Ende.”

  1. Frau Schmidt sagt:

    Es klingt vertraut. Und das nicht nur, weil es ein wiederkehrendes Thema ist.

    Ich wünschte, die Woche würde mit angenehmen Aussagen starten. Doch derlei Wünsche beruhen wohl auch auf Selbstbetrug und Tricks, die man sich selbst in die Tasche spielt.

    Heraklit von Ephesus sagte: »Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung«. Ich denke, dass er sich irrte – denn es verändert sich nichts. Seit Jahrtausenden spielt sich alles in den gleichen Facetten ab, die nur ein wenig anders schimmern, mehr nicht. Aber das konstant.

    • Dr. Beat sagt:

      Verzweifeln Sie nicht. Der Pillemann wird Ihnen die Richtung zeigen.

      • Admin sagt:

        Ich zitiere gern nochmal aus dem Beitrag: »Auf alle Fragen erhielt ich Pauschalantworten und grenzenlos dumme Lösungsversuche angepaßter Selbstverräter und Vollidioten.« Trotzdem dennoch vielen Dank für Ihre aktive Beteiligung, damit haben Sie sich gegenüber den anderen 8 Milliarden Vollidioten, den Glotz- und Klickaffen erkennbar abgehoben.

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