Partnerglück.

I.

Jetzt am Wochenende bin ich auf Abstand gegangen. Habe mir ein paar Sachen durchdacht, und natürlich auch ein paar Aufzeichnungen gemacht. Es gibt natürlich Wege, die sie in meine Richtung jetzt unternimmt, aber natürlich leider nur unbedeutende Wege. Also eigentlich nichts von dem was ich mir wünschen oder was ich jetzt als Weg in meine Richtung tatsächlich, ernstlich annehmen könnte. Mit vielleicht einer persönlichen Entschuldigung, vielleicht nochmal einem Versuch, die Sache von ihrer Seite zu lösen oder vielleicht um Verständnis für ihre Standpunkte zu werben.

Das Ganze ist verkeilt. Es geht weder vor noch zurück. Zwar habe ich durchaus auch Sehnsucht nach ihr, aber sehe auf der anderen Seite erhebliche Schwierigkeiten auf uns zukommen, sollten wir diese Geschichte fortführen. Die Kuh ist natürlich keineswegs vom Eis. Und sie kommt auch nicht vom Eis, besonders wenn man sich darüber nicht austauscht, wie man sie vielleicht vom Eis bekäme. Insofern entspricht es ihrer Lebensphilosophie, einfach die Dinge vom Tisch zu wischen und fortan darüber nicht mehr nachzudenken. Bis sie nach Stunden oder nach Tagen wieder plötzlich und unheilvoll wiedererscheinen und man sich plötzlich wundern muss, wie das alles nur so weit gekommen sein konnte. Da hätte ja so, wie es jetzt passiert ist, eigentlich niemals irgendjemand drauf kommen können.

Das mag zum einen an der Art liegen wie sie gestrickt ist, zum anderen aber auch an der typisch weiblichen Art von Realitätsverweigerung (der einige Herren auf ihre typisch männliche Art in nichts nachstehen). Und noch weiter – vielleicht einer Skizze, einer Phantasie die man von sich selber hat, und die man ganz gern in die Realität herüberretten will. Die große Schwierigkeit ist aber, dass mit den zu erwartenden Szenarien, die ich ganz klar vor Augen sehe, eigentlich keine Lust habe diese Geschichte fortzuführen. Ich habe da schon vor 14 Tagen so eine Auseinandersetzung mit ihr gehabt, wo ich das Ganze als gescheitert angesehen habe, wo ich dann aber wenigstens – auch weil Alkohol im Spiel war – mich am Folgetag dafür entschuldigt habe und mir die Sache nochmal genauer betrachten wollte, für mich. Das heißt, sie hat eigentlich außer unserer Auseinandersetzung an diesem Abend nichts von meiner Entrüstung und Aufgebrachtheit mitgekriegt. Die Geschehnisse des Abends dürfte sie eventuell sogar mit der Entschuldigung als erledigt angesehen haben.

Es kamen danach noch einige weitere Auseinandersetzungen, die doch sehr deutlich gemacht haben dass unsere Ideenansätze und Philosophien doch sehr weit, durchaus unvermittelbar auseinanderliegen.
Das muss man deshalb nicht bewerten. Sie kommt ja, nach ihrem Dafürhalten, bestens mit ihren Prinzipien durchs Leben. Und ich eben mit meinen. Es wäre also noch zu entscheiden, weil es nicht zur Sprache gekommen ist, ob dieser Beziehungsversuch nun aufrechterhalten bleibt, beziehungsweise ob es vielleicht eine Wiederaufnahme der Beziehung gibt oder ob jetzt der kalte Krieg eintritt.

Wobei, ich glaube nicht dass da von irgendeiner Warte gerüstet werden würde. Ich glaube eher, dass sich das Ganze, da es ja eben auch – wie im richtigen Leben – keine wirklichen Berührungspunkte gibt, einfach zerstreuen wird. Ich hatte in meinen Aufzeichnungen darüber gemutmaßt, ob das vielleicht alle Frauen beträfe, weil ich viele Sachen, die ich hier anführe als grundsätzlich ansehe. Das ist aber schwer zu sagen. Von daher würde ich mich zunächst nicht komplett verschließen, sondern ich würde vielleicht weiterhin mit offenen Augen durchs Leben gehen und schauen, wer mir auf meinen Wegen ernstzunehmend entgegentritt.

II.

Was mir jetzt auch so gerade einfällt: wir haben nichts von dem umgesetzt, was eigentlich auf dem Plan stand: Weder waren wir in der Sauna, noch waren wir Salsa tanzen. Das ist wirklich so eine Geschichte, gerade auch diese Sache mit dem Cuba-Club – da hat keiner Lust hinzugehen. Wir sind einmal dran vorbeigegangen, nachdem wir im Theater waren, was wirklich ganz schön war. Das war eine Kulturveranstaltung, die den Namen, den ich inzwischen vergessen habe, verdiente. Überraschenderweise im örtlichen Schauspielhaus, wo sonst nur Quotengrütze vorgetragen wird, aber an diesem Abend eine sehr schöne Aufführung einer Theatertruppe aus Berlin stattfand. Das war wirklich sehr nett anzuschauen.

Anschließend waren wir dann, um den Abend vielleicht mit einem Drink ausklingen zu lassen, nochmal am Cuba-Club vorbeigegangen und es war dann echt eine Schlafwagen-/Trauerveranstaltung. Fünf erloschene Leute saßen da in einem großen Foyer, das zwar ganz angenehm gestaltet war, das aber, durch die Darbietung der üblicherweise dort vorgetragenen Rumpel-Dauerbeschallung, überhaupt keine Vorzüge hatte. Okay, es war also nichts los, wir gingen dran vorbei, obwohl es wegen der nur übersichtlich zur Schau gestellten Lebensfreude gerade an diesem Abend für mich soeben erträglich gewesen wäre. Dann war es irgendwie weg vom Schirm. Jedenfalls von meinem.

Ich hatte bereits ein paar Mal geäußert, dass ich an südamerikanischer Musik ausschließlich Tango Argentino und brasilianischen Samba mag – der Rest, der sich auf dem Gebiet so tut, ist meiner Meinung nach unbeschreiblicher Dreck. Naja, jedenfalls hatte ich selbstverständlich zeitweilig Depressionen als sie mehrmals angekündigte unbedingt dorthin zu müssen, doch davon war in den letzten Wochen eigentlich schon nicht mehr die Rede. Sie ist dann selber irgendwann mal ausgegangen, sicherlich gab’s da die Möglichkeit für sie irgendwo zu gräßlicher, sogenannter Musik zu tanzen.
Jedoch für mich stand das nicht wirklich zur Debatte, also ich hatte eigentlich frühzeitig erklärt, dass es für mich bitte nicht infrage kommt, dass ich es eigentlich nicht einmal mitansehen möchte: Latinos auf der Suche nach dem nächstbesten Wackeldackel, den sie für eine Nacht bespringen können.

Nun. Jetzt haben wir nicht nur diese Geschichte vom Eis. Insgesamt ist diese ganze Geschichte komplett vom Tisch und es ist trotzdem nicht schlüssig. Das besondere ist einfach auch bei mir, dass ich nicht bereit bin Vorteile oder Vorzüge anzunehmen, die mir eigentlich nicht zustehen, weil ich mich vom Kopf und vom Herzen von dieser Sache schon verabschiedet habe. Das sind halt Schlüsse, die man dann zieht wenn der andere schlecht performt. Und ich glaube, durch die Art wie sie performt hat, zur Zeit unserer Auseinandersetzungen, ist die Sache offensichtlich, dass sie sich ebenso aus unserer Beziehung vorzeitig zurückgezogen hat. Wenn man so völlig ohne Liebe und ohne Zuneigung, ohne Zurückhaltung auf den anderen eindrischt und sich sofort in seine Burgen verschanzt, die man sich über die Jahre zurecht gestellt hat, sofort seine Schützengräben aufsucht, nicht ohne dass man dem andern noch vorher aufs Auge eine reingehauen hat.

Dann ist das eigentlich so eine Beziehung, die bereits Vergangenheit ist. Natürlich gibt es eine Grundlage für eine neuerliche Begegnung, es gibt natürlich Momente, die schön zwischen uns waren – aber, ich würde sagen, diese sind eigentlich nicht lebensfähig. Was ich in den letzten Tagen gesehen habe ist, dass ich ganz andere Sachen für mein Leben brauche. Dass ich sie in meinen wichtigen Fragen des Lebens eigentlich nicht fragen möchte und eigentlich auch nicht fragen kann. Und das ist der Hauptgrund weshalb ich mich da komplett zurückziehe und dichtmache. Ich kann niemanden brauchen, der mir Zerstreuung bietet, der mir mal Abendessen anbietet, wenn ich keine Zeit habe mir selber etwas zu kochen. Ich kann in derselben Zeit eben auch hungern, das ist dann auch mal meiner Figur zuträglich. Wenn ich dann aber richtige Fragen habe und mir wichtige Dinge überlege, dann brauche ich wirklich jemand auf meiner Seite ist, der mir allen erdenklichen Support gibt, der mir auch das Gefühl gibt, dass man sich auf ihn, beziehungsweise in meinem Fall auf sie, tatsächlich verlassen kann.

Sie hat zwar den Arsch hingehalten und sich gekümmert. Aber das ganze längst mit lieblosen und herzlosen Sprüchen untermalt, gerade in Bezug auf meinen Hund: „Andere Hunde sind auch schon gestorben.“ und dann stirbt sie eben jetzt – im übertragenen Sinne, der erste Teil war erschreckenderweise wortwörtlich und hat – wie zu erwarten – den Himmel für immer zwischen uns verfinstert. Das sind durchaus Fakten, die ich schon als Realität annehmen muss, aber ich möchte sie nicht an mein Ohr dringen lassen und auch nicht an meinen Geist. Völlig unerheblich wieviele Flaschen Wein dieser Aussage zugrundeliegen. Und dazu ihre sinnfreien Selbsteinschätzungen, wenn sie quasi ihre Vormachtstellung und ihre Autorität allein auf ihr Alter bezieht, wo sie sagt: „Sie lebt ja schon lange genug.“ und „hat ja auch langjährige Erfahrung“ und dergleichen. Das reicht mir einfach als Argument nicht aus.

Wenn jemand mir sagt: „Pass mal auf, ich bin älter als du, und deshalb bin ich auch schlauer“, dann will ich auch hören was daran schlauer sein soll, dann will ich auch verstehen was da für Wege und Möglichkeiten gibt. Und wenn schon Wege aufgezeigt werden, dann bitte solche, die ernstliche Möglichkeiten und bestenfalls persönliche Fähigkeiten berücksichtigen.
Wenn ich stattdessen Wege aufgezeigt bekomme, die kein Mensch gehen kann, dann hilft mir das überhaupt nicht. Das hilft von vorne bis hinten nicht – das nervt mich sogar mir sowas anzuhören. Insofern gibt es da einige schwierige Reibungspunkte, die die Sache schon nicht mehr retten können.

III.

Was ich allerdings noch hinterherschicken muss, dass ich es aberwitzig finde, dass man sich binnen kürzester Zeit, also innerhalb eines halben Jahres komplett zerlegen kann. Also wirklich, dass also bis auf die Grundmauern alles dem Erdboden gleichgemacht ist. Die Auswege, die es theoretisch geben müsste, gar nicht zu sehen sind, weil es einfach an Kompromissbereitschaft mangelt. Da wird das goldene Kalb betanzt – im wahrsten Sinne des Wortes – und auf den vermeintlichen Grundfesten der eigenen Persönlichkeit eine Trutzburg errichtet. Und falls man dann mal ein gegenläufiges Argument vernimmt, wird sich verschanzt und sofort und ohne Warnung das Feuer eröffnet. Und zwar nicht mit Gummigeschossen, sondern mit scharfer Munition.

Das ist so eine rasante Entwicklung, dass man sich unweigerlich fragt, sind dann Zärtlichkeiten und Zuneigung einfach nur gespielt? Um nur irgendetwas zu erreichen? Etwas, das sich das Ego vielleicht nicht selbst beschaffen kann? Und da ist der Punkt, dem ich widerspreche! Natürlich gibt es Dinge, die sich das Ego nicht selbst beschaffen kann. Natürlich gibt es Augenblicke und Momente und Situationen in denen man von anderen abhängig ist. Aber ich würde mir sowas niemals erschleichen, auch niemals irgendetwas anderes vorspiegeln als die Wahrheit. Also, für diese Dinge – damit sie für mich wahrhaftig sind – brauche ich die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

Ich bin mir jedoch unklar darüber, ob diese Zuneigung von der anderen Seite nur vorgespielt wurde, um irgendein diffuses Szenario zu erreichen, was ich nicht verstehe. Ich habe zwar eine Vermutung darüber, was vielleicht erreicht werden sollte, aber es ist nicht das, was ich als Lebenswirklichkeit annehmen könnte. Und somit strebe ich es auch nicht an.

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One Response to “Partnerglück.”

  1. antidot sagt:

    Als kleine Morgengabe von mir hier einige Gedanken, die dein Beitrag in mir auslösten und mit mir schwanger gingen in den letzten Tagen. Wissend aus meinem Leben, wie eine sehr langwährende Beziehung aneinanderauseinander sich lebt, um so erstaunlicher für mich zu lesen, dass ähnliche Strukturen sich in sogenannten frischen Konstellationen schon zeigen.

    Um so mehr sind deshalb meine Gedankengänge vielleicht nicht so abwägig:
    Die Frage für mich ist seit Jahren, was uns Menschen der ganze Beziehungsquatsch eingebracht hat, respektive einbringt, außer eben einen Haufen Probleme.
    Tiere sind da weitaus schlauer. Sie verfolgen den Zweck der Arterhaltung. Dafür müssen sie sich paaren und gut. Mehr nicht.
    Auch einige „Naturvölker“ haben ein ähnliches Verhaltensmuster. Frauen und Männer leben relativ autark für sich, haben ihre klar definierten Aktionsbereiche, mehr Kontakt mit ihres gleichen und für den Sex und körperlichen Spaß kommt dann das andere Geschlecht ins Spiel. Scheint gut zu funktionieren.
    Auch so ein Dasein in einem Harem erscheint plausibel. Von Seiten des Paschas aus gesehen sowieso. Aber auch die Frauen sind gut dran. Abgesehen davon, dass sie versorgt sind. In Abständen dem Herrn und Meister gefallen ist einfacher, als jeden Tag dieses Kunststück zu vollbringen. Und den Rest der Zeit hat jeder seinen Freiraum, seine eigene Welt, sein eigenes Universum.
    Kompliziert wird es durch Emotionen, durch Idealvorstellungen vom Leben allgemein und der Liebe insbesondere und den moralischen Auflagen der Gesellschaft. Ideale von Gemeinschaft, höherem Lebenssinn und einem Pendant zu sich selbst sind da schnell Stolpersteine und machen es kompliziert.

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