13 Stunden.

Ich hatte große Schwierigkeiten den Besucher zuzulassen, anzunehmen. Das Verdammtsein zum Nichtstun hinzunehmen, den Besetzungszustand mit guter Erziehung wegzulächeln. Das meiste würde vorherzusehen sein. Es müßten deutliche Kompromisse gemacht werden. Allein die Vorstellung davon stach mir Luft mit dem groben Messer ab. Es nahm mir Freiheit und Zeit zum Denken bevor alles gedacht werden konnte. Es wurde trotzdem gedacht. Und es wurde trotzdem gelacht.

Und dann kam der Tag als endlich gesprochen wurde. Es war eben nicht vorherzusehen und kam unaufhaltsam.

Freitag. Der Tag nach der Ankunft – ich hatte Lust zu Essen, es war noch nicht klar, im Gegenteil. Es mußte über ein Dreieck entschieden werden was passieren sollte. Über drei Ecken geschah dann doch das Naheliegende: Ein Essen im portugiesischen Lokal, ein bekanntes Highlight mit unbekanntem Ausgang: Abschütteln der Wirklichkeit mit Vinho Verde im Stechschritt. Es geschah zunächst unter Fremdeinwirkungen, die so fremd waren wie sie aussahen. Natürlich fand die vermeintliche Dreisamkeit nur zu zweit statt. Mit beliebigen Protagonisten als Kulisse – doch alles diente nur als Vorspiel für die eigentliche Veranstaltung, die nicht anders als unter fünf Flaschen Wein zustandekommen, sich endlich ereignen und eigentlich kein Ende finden sollte.

Nach dem Abgang durchs Lokalghetto unter Einhaltung lokalen Brauchtums, z.B. Ghettokleptomanie, Vorbeiwanken an finsteren Gestalten, waren wir endlich wieder zuhause angelangt. Einer Art Vorhölle, solange wichtige Dinge unausgesprochen bleiben. Diese blieben aber an diesem Abend, in diesem Aggregatzustand bald nicht mehr unausgesprochen. Das Event dauerte von 18 Uhr abends bis sieben Uhr früh. Natürlich gab es Längen und Akkumulatorenversagen der Beteiligten und aller Aufzeichnungsgeräte. Das war in der Nachbearbeitung durchaus zu sehen. Aber, was auch zu sehen war war das große Fluten von gehirnen Geheiminformationen, die unter anderen Umständen kaum preisgegeben worden wären.

Natürlich war ich glücklich über die Puzzleteile die mir nachgeworfen wurden, die sich schaumgleich in meine Wahrnehmung fügten, die meine alte, unvollständige Registratur spiegelglatt ergänzten.

Es kam also zum Äußersten. Und damit zur unverhofften Vervollständigung eines Weltbilds – zumindest was einige nahestehende Personen, einige offene Fragen betrifft. Was es hilft? Ich mache mir nur den Kopf damit voll, bzw. streiche damit die Fugen glatt.

Zwei Tage nachdem ich die Alkoholwut abgeschmettert hatte sah ich uns an. Auf Video. Plötzlich gab es die Textversion, die der Rausch provoziert und offengelegt hatte – die dennoch kein Resultat des Rausches waren, sondern gerade im Gegenteil: Ein Resultat des Lebens, des Menschseins. Eines Lebens, das kaum jemand außenstehenden anzubieten ist. Das ohnehin kaum ein Leben ist – aber im Umkehrschluß dann wieder schon. Denn wir lernen von Tag zu Tag, daß das Leben nicht etwa etwas aus dem Fernsehen ist, sondern daß es aus unseren Fasern strömt, und wir plötzlich genau wissen wer oder was wir in genau solchen Augenblicken sind ( – sofern uns eine Aufzeichnung davon gelingt).

Wir beschreiben es – und die Beschreiber des echten Lebens haben immer recht, denn wir leben wenn andere nur zusehen oder bestenfalls davon träumen. Wir haben es erlebt, wir haben es gesehen, mitangehört, vielleicht mit dreiplusX Promille nicht mehr verstanden. Aber wir sind dabeigewesen, als die Dinge plötzlich greifbar wurden, als sich die Handbremse sich endlich lockerte, sich der Zauber entfachte, der verschlossene Geist sich allmählich der Welt offenbarte.

Ich danke dem Besucher und den spanischen Weinbauern, den portugiesischen Fischern und Wirten, einem beliebigen deutsch-marokkanischen Pärchen inkl. nordafrikanischem Kettenraucher, der Hochzeitsgesellschaft, die im konzertierten Vorbeirauschen den würdigen Rahmen schufen um das Beste sein zu können was wir an diesem Abend zu sein vermochten und uns selbst und geneigten Interessierten damit als Lebenswirklichkeit anbieten konnten.

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13 Responses to “13 Stunden.”

  1. antidot sagt:

    Das wahre Leben…

    …liest sich wie ein prämierter Film mit einer abschließenden Danksagung an alle Beteiligten nach Erhalt des goldenen Dingsbums.

    Applaus.

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