Wandelgang

Endlich schaffte ich es, mir am vergangenen Sonntag die Gärten der Welt anzusehen – das bedeutete für mich erstmal eine Tour quer durch Berlin von Steglitz bis zum Erholungspark Marzahn.

Die Gärten der Welt sind Themengärten, die 2000 mit der Eröffnung des Chinesischen Gartens ihren Anfang nahmen. Innerhalb von zehn Jahren kamen dann der Japanische, der Balinesische, der Koreanische und der Orientalische Garten hinzu. Alle Gärten haben gemeinsam, daß sie auf der Grundlage der jeweilig religiösen, traditionellen und kulturellen Gestaltungsprinzipien angelegt wurden. Jeder ist eine kleine Welt für sich – wie ein Besuch in einem anderen Land.

Im April 2011 wurde der Christliche Garten eröffnet, denn es war den Machern ein Bedürfnis, auch das europäische Gartenbild im Zusammenhang mit christlicher Tradition und Kultur zu vermitteln. Was lag näher als ein Klostergarten, ein Gebetsgang mit grünem Innenhof. Es wurde aber nicht einfach irgendein Kreuzgang mit Innenhof kopiert und mit einigen Kräutern bepflanzt, die in kleinen Beeten von Buchsbaum umrahmt sind. Sondern nach einer Wettbewerbsausschreibung wurde aus den fünf besten Ideen die vom Büro relais Landschaftsarchitekten aus Berlin gewählt und umgesetzt.

Dieser Christliche Garten zog mich magisch an, denn ich hatte im Vorfeld viel von ihm gehört und faszinierende Bilder gesehen. Es entstand hier im wahrsten Sinne des Wortes ein Raum der Sprache und des Wortes. Der Wandelgang ist seitlich und oben eingerahmt von Metallprofilen aus Aluminium, goldfarben lackiert, die Zeile für Zeile Buchstaben zu Wörtern, diese zu Sätzen werden lassen. Textpassagen aus dem Alten und Neuen Testament, aber auch literarische und philosophische Texte, die die Beziehung zwischen Mensch und Natur sowie Gartenbilder als Sinnbilder des abendländischen, christlichen Lebens wiederspiegeln. Der quasi Innenhof hat eine schlichte Bepflanzung in grün und weiß sowie ein sehr sanftes Wasserspiel auf schwarzen Steinquadern.

Es strahlt einen enormen Zauber aus. Denn die Schriftzeichen wollen nicht nur gelesen sondern vielmehr betrachtet werden unter Einfluß der verschiedensten Lichtsituationen. Es bilden sich wunderbare Wechselspiele aus Licht und Schatten – was eine Allegorie zur europäischen Kultur mit all ihren Höhen und Tiefen sein soll.

Ich war verzaubert. Auch mächtig erstaunt, daß hier mal Landes- und Bundesgelder auf kultureller Ebene für etwas wirklich wunderbares verwendet wurden. Und dann das Erlebnis an sich: beim durchwandeln das durch Sonnenstrahlen entstehende Hell-Dunkel-Spiel zu erleben, stets neu wahrzunehmen, verfehlt seine Wirkung nicht. Dazu die Ruhe der Bepflanzung, die von dem sanften Wasserspiel meditativ unterstützt wird. Hier kann man wahrlich abschalten und sich besinnen.
Auch die anderen Gärten waren schön anzusehen und beeindruckend. Aber diese Adaption des christlichen Themas begeisterte mich nachhaltig.

http://www.gruen-berlin.de/parks-gaerten/gaerten-der-welt/christlicher-garten/informationen/

Fotos: © 2011 A. Schmidt

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2 Responses to “Wandelgang”

  1. Chris K. sagt:

    Jesus! Für einen so schönen Beitrag und so schöne Bilder mußte ich erstmal gestern Nacht noch eine neue Lightbox installieren. Danke, dass Du Dich auf den Weg gemacht hast.

  2. Frau Schmidt sagt:

    Wow, Danke für die Blumen und die superchice Lightbox!
    Das ist ja wie Weihnachten :)

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