Wenn Bielefelder …

… Werbeagenturen meinen Kopf implodieren lassen. Bielefelder Werbeagentur ist per se ein Anachronismus. Wie kann etwas existieren, dass vor Gott nicht bestehen kann? Keiner weiß es. Offenbar war der Kunde verpeilt genug, um dort anzufragen. Es kamen fünfzehn ungeschliffene bis lächerliche Entwürfe, die keines zweiten Blickes würdig waren. Die im Gegenteil, nur den Geistestzustand – vielmehr noch den Kurzschluß zwischen den Ohren – der Bielefelder Protagonisten offenbarten.
Allein die Idee, irgendwo in Bielefeld anzurufen ist allertiefste Verzweiflung, telefonseelsorgenartig, Schädelfraß im Endstadium. Das Ergebnis war bis in alle verfaulte Ecken vorhersehbar. So sieht das wohl aus, wenn Praktikanten einen »richtigen Auftrag« simulieren, wenn aus selbstzufriedener Mittelmäßigkeit und zertretenen Allgemeinplätzen eine geniale Konzeption herausgearbeitet wird. Selbstverständlich beansprucht die Agentur für ihre eingebildete Höchstleistung das Urheberrecht.

Der Kunde war wenigstens »not amused« – zahlt aber fürs debile Gekröse. Ich wurde extra heute nochmal persönlich instruiert »die Entwürfe NICHT weiterzugeben« – so peinlich war der Dreck.

Ich schüttle einfach nur noch den Kopf. Das ganze Gefüge ist auseinandergeraten. Es beißt sich lieber alles die Zunge ab, bevor ich gefragt werde. Und es geschieht wirklich. Nimmt lieber Eigenkaviartherapien in Kauf bevor es einen geradlinigen, naheliegenden Entwurf anfragt. Ich habe den Kunden über zehn Jahre betreut. Und man wendet sich x-beliebig und willenlos an die letzten Vollidioten. Liebevoll. Verständnisvoll. Vorauseilend. Alle Körperöffnungen voraus. Mit einer Schaumkrone aus abgelaufener Gleitcreme.

Ich kotze, weil alles wofür ich stehe nicht zu sehen ist, obwohl es zu sehen ist. Es ist natürlich zu sehen. Auf allen Stirnen leuchtet es, doch alle Welt hat sich dagegen verständigt. Alle wichsen auf auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und halten das für Kunst, nein, für naheliegend und schlau. State of the Art – so macht man Werbung heute! OMFG. Sie halten es am Ende für das Leben. Es ist die größte Verwechslung aller Zeiten. Und ich trete sie eigenfüßig aus der stromlinienförmigen Darreichungsform. Direkt ins Frittenfett, dorthin, wohin sie mit ihren halbgaren, simulierten Gedanken hingehören. Für immer. Und wenigstens noch ein paar Röstaromen hervorbringen, mit ihrer nichtsnutzigen Existenz.

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No Responses to “Wenn Bielefelder …”

  1. Frau Schmidt sagt:

    Eingebildete Höchstleistungen mit natürlich zustehendem Urheberrecht verlangen auch höchstdotierte Honorare – nehme ich an.
    Das gehört sich so.
    Das gehört schließlich naturgemäß zusammen.

    Aber Du willst uns doch nicht ernsthaft glauben machen, dass halbgare, noch dazu simulierte Gedanken im eh schon ekligen Frittenfett Röstaromen hervorbringen? Diese Art Aromen braucht wohl keiner oder nur die, die Nasenkrebs haben, damit sie überhaupt noch was riechen – egal wie eklig.

  2. Jonas sagt:

    Super, ein guter Beitrag, besten Dank. Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Generell finde ich diesen Blog leicht zu verstehen und bequem zu lesen.

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