Überfluß

Wir leben in einer Überflußgesellschaft.

Alles existiert im Überfluß: Lebensmittel, Autos, Häuser, Hühnerfarmen, Sexshops, Billigflüge, Niedriglohnarbeit… woanders Armut und Hunger und Elend.

Was uns zu viel wird, wird weggeworfen – egal ob noch verwertbar, genießbar oder nicht. Immer weg damit, wir haben ja genug davon.

Viele bekommen sogar noch Fördermittel für den Überfluß, den sie produzieren und dann wegwerfen.

Woanders wird gehungert, aber wen kümmert’s? Es geht schließlich um den eigenen Wamst und Geldbeutel. Kein Problem, daß jeder auf Kosten der anderen lebt. Was kostet nochmal die Welt?

In diesem ganzen Überfluß fühle ich mich dermaßen überflüssig!
Paßt doch. Die gleiche Wortfamilie – immerhin. One world, one family.
Mein Handeln, Reden, Dasein ist komplett überflüssig weil es sich nicht nahtlos in die konforme Masse einbettet. Es darf sich nichts abzeichnen, wie bei Unterwäsche. Aber ich zeichne mich ab. Immer und immer wieder, um mir auf den Grund zu kommen.

Meine Wünsche sind nicht von dieser Welt und werden deshalb nicht für voll genommen. Ich werde dumm angeschaut oder mitleidig belächelt, weil ich keine All-Inclusive-Reisen buche, nicht auf allen Parties tanze, kein Auto der neuesten Generation habe (noch nichtmal fahren kann…), keinen HighEndSuperPuperFlachTV mein eigen nenne, nicht die letzten Verblödungstalkshows gesehen habe und die Stars und Sternchen der Nation mich einen Scheiß interessieren. Weil meine Meinung sich nicht aus den FLachTVSendungen nährt sondern von mir gebildet wird.

Aber das ist alles völlig überflüssig, dient niemandem weil es keinen interessiert und ist somit nur Selbstzweck, also egoistisch. Und das ist völlig unbrauchbar. Das paßt ja schon mal gar nicht zum Charity-Betroffenheits-Gelaber, wo jeder so tut als wunder was er tut für das gemeine Wohl.

Was will ich noch hier?
In mir ist Überfluß, heiß, glühend… mein Überfluß.
Total überflüssig.

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No Responses to “Überfluß”

  1. Chris K. sagt:

    Interessanterweise habe ich seit einigen Tagen ähnliche Gedanken. Weil ich es gerade nicht weiter ausführen kann sende ich einen Link vorab, der aufzeigt dass die Deppen, die schon immer auf dem Holzweg waren mit ihrer höher-schneller-weiter-geiler-Scheiße auch diesmal zielsicher vor die Wand laufen. Ich weiß, man verliert manchmal die Nerven, aber ich würde mir von so einem Geschmeiß nicht die Lebenslust nehmen lassen, allenfalls nur temporär, bis ich wieder klar bin und den Schwächeanfall – mir von Ungeziefer Blindtext anzuhören – endlich abgeschüttelt habe. Die Kunst zu Leben scheint im Wesentlichen daraus zu bestehen die Idioten und deren unaufgefordert abgesondertes Kontaminat kompromisslos aus der eigenen Wahrnehmung herauszufiltern.

    Hier noch der Link: http://www.sein.de/gesellschaft/nachhaltigkeit/2011/peak-everything–uns-geht-der-stoff-aus.html

    Schnell noch ein Goethe-Zitat aus den Kommentaren:

    „Man muss das Wahre immer und immer wiederholen,
    weil auch der Irrtum um uns herum immer wieder gepredigt wird.
    Und zwar nicht nur von Einzelnen, sondern von der Masse –
    in Zeitungen und Enzyklopädien, in Schulen und Universitäten.
    Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich
    im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.“

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