Sommerloch

Eigentlich ist der Sommer allgemeinhin als die leichte, fröhliche Jahreszeit bekannt und beliebt.

Nicht nur wegen der leichtbekleideten Mitmenschen, an denen man sich ergötzen kann oder eben auch nicht.
Sondern in der warmen Jahreszeit lässt sich das Süße Leben leichter ertragen. Eigentlich…
aber irgend etwas scheint in diesem Sommer anders zu sein, nicht nur das Wetter.

Mich stimmte das heute bei meinem Spaziergang sehr nachdenklich.
Denn ich spüre nichts von dieser Leichtigkeit, geschweige denn vom Süßen Leben. Liegt es an mir, am älter werden?

Als ich so durch die kleinen Straßen ging, vorbei an Hecken voll mit wunderbarem Jasminduft, da hatte ich viele Erinnerungsfetzen in meinem Kopf. Bilder und Gerüche aus meiner Kindheit:
der Duft vom sonnengetrockneten Holz der Gartenzäune / die flirrende Hitze auf heißem Asphalt wenn sonntags zur Mittagszeit alles wie leergefegt aussah / das sogenannte Juckpulver – also die Kerne der gemeinen Hagebutte, Frucht der Hundsrose – welches uns die Jungs in den Rückenausschnitt steckten, dazu das Gekreische hysterischer Mädchenstimmen / der Duft von frischgemähtem Rasen / die wunderbare Luft nach einem klärenden Gewitter / unter einem riesigen Kastanienbaum Schutz suchen als uns ein Wolkenbruch überraschte / mit der Zunge die dicken Regentropfen aufschlecken / im Park auf der Wiese liegen und traumverloren den ziehenden weißen Wolken nachschauen / voller Übermut und Freude im Freibad oder See planschen und schwimmen / dem wunderbaren Spiel von Licht und Schatten zuschauen… und noch vieles mehr.

Wo ist das alles hin? Wo ist die Freude und Leichtigkeit? Ist die Leichtigkeit des Seins so unerträglich?

Meine Freunde und Freundinnen sind in diesem Jahr auch bedrückter. Komischerweise aber nur die allerengsten von ihnen (also etwa zwei oder höchstens vier) – die, mit denen ich auch sonst über wesentliche Dinge reden kann.
Die anderen bekommen anscheindend nur das Wechselspiel des Wetters mit oder ihre Qual der Wahl bei angesagten Schnäppchen. Das reicht ihnen auch schon als Themen für die Abendunterhaltung. Sie halten es sogar für sehr sinnreiche Reflektionen.

Meine Gedanken brachten mich auf diesem Spaziergang aber keinen Schritt weiter geschweige denn zu einem Ergebnis. Ich weiß immer noch nicht, ob es an mir liegt, am älter werden oder speziell an diesem Sommer 2011, dass ich alle Leichtigkeit vermisse.

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No Responses to “Sommerloch”

  1. Chris K. sagt:

    Die Unschuld verloren.
    Aus dem Paradies vertrieben.
    Aller Illusionen beraubt.

    Du erwartest zuviel von einem Leben in Unfreiheit.

    Noch zwei Tage August. Noch ein bißchen Sommer. Noch vier Monate 2011. Was soll man erwarten? Ein Zeichen?

    Zeichen. Und wenn Du’s endlich siehst könntest Du es dann glauben? Ich könnte es nicht.

  2. Frau Schmidt sagt:

    Ich würde es versuchen.

    Da ist noch Hoffnung in mir – das unschuldige Kind ist noch anwesend – es wartet und hofft.

    Und es gibt Tage, da ist es sogar voll Freude und sieht den Schimmer eines Zeichens am Horizont. Leider meist nur für einen Bruchteil einer Sekunde.

    Ich erwarte nicht zuviel. Es ist im Grunde wenig. Es ist das Mindeste. Und es ist nach oben hin offen für das Höchste.

  3. Elias sagt:

    Finde ich gut, dass hier oft geschrieben wird.

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