Re: Senselessness.

http://www.youtube.com/watch?v=8TFZyQDyFXw

Song »How to disappear completely« by Radiohead
Movie »Requiem for a dream« from a novel by Hubert Selby Jr.

Just be prepared for the fuckin‘ day you disappear.
Damn read the comments:

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4 Responses to “Re: Senselessness.”

  1. admin sagt:

    Hubert Selby Jr. und ich.

    Es war 1984. Ich griff ein ungelesenes Buch aus dem Regal meiner verschissenen Eltern. »Der Dämon« von Hubert Selby Jr. – offenbar hatten sie das Buch geschenkt bekommen und irgendwohinsortiert. Ich griff mit schlafwandlerischer Sicherheit an diese Stelle, um es für mich allein zu entdecken, las das Buch in meinem Sommer in Schweden. Es taten sich gleich einige Türen auf. Bewußtseinstüren. Hubert Selby hatte schon Mitte der 60er davon geschrieben. Und er rannte offene Türen bei mir ein. Meine Türen und meine Bilder Mitte der 80er. Er rannte bis in alle Grenzenlosigkeit. Diese Grenzenlosigkeit fand in meinem damaligen Brust- und Kopfraum, in meiner ganzen Seele Platz. Forderte mich heraus, dass ich noch weitere seiner Bücher lesen mußte, z.B. »Mauern«, was einen erheblich größeren Brustraum und noch viel größeren Gedankenspielraum notwendig machte. Der Zauber würde jäh gebremst als Nullhorst und Doofgesicht Bernd Eichinger sich am Skript von »Letzte Ausfahrt Brooklyn« vergriff.

    Das war 1989. Zu diesem Datum war meine Selbymania auf dem Nullpunkt. Ich hatte Mühe mich dazu hinzureißen den Film zu sehen. Ich habe ihn sofort weggeleugnet. Ich sah ihn – vielleicht – na klar sah‘ ich ihn, im Universum auf der Brückstraße. Aber es war sofort klar: Diese nichtswürdigen Bilder, diese Scheiße konnte sich nur Depp-Nullhorst Eichinger ausgedacht haben. Es war natürlich ein Riesenerfolg. Also für Eichinger. Für mich war es eine Riesentragödie, weil keines der Bilder die der Roman von Hubert Selby Jr. zeichnet dargestellt worden ist. Ich hätte aus dem Kino rennen müssen. Aber ich habe alle Erniedrigungen von Bernd (ein Name der schon kaum Phantasie offenläßt) hingenommen. Der Ikonoklast Eichinger hat damit alle Werte des Künstlers Hubert Selby Jr. zerstört, sich am Werk vergangen. Ich litt wie ein Geisteskranker, mußte Freunden erklären wieso ich den Schriftsteller mag, da der Film so unermeßlich schlecht war, nichts in meinen Augen mit der Romanvorlage zu tun hatte. In diesen Tagen hätte ich Bernd Vollidiot Eichinger gern getötet. Er hat alles getan um Kunst und gelebte Biografie ungeschehen zu machen, Texte unkenntlich, um Aussagen und Menschenverständnis auszulöschen. Ein Fernsehnullgeist, der ins Kino will. Um jeden Preis.

    Als dann 1989/90 Hubert Selby Jr.auf Reisen ging, dank der notwendigen Public Relations für den Scheißfilm von Eichinger, gab es auch eine Spoken Word Performance mit Henry Rollins (ehemaliger Leadsänger der Punkrockband Black Flag) in der Live Station. Ich biß mir in die Hand um das Ticket zu lösen. Bernd war irgendwie mit im Raum, aber sofort vergessen, endgültig, als endlich Hubert zu sehen und zu hören war. Für seine Einschätzung: »Jesus Christ. Life sucks and my wife doesn’t« bin ich ihm bis heute dankbar und weiß genauestens wessen Lippen der Spruch entsprang.

    Als er da saß und las war Bernd Nulldummkasper für immer vergessen. Henry Rollins kam an dem Abend auch gut weg. Auch wenn Black Flag die Geister trennt, fegt Henry alles wieder zusammen. Zwischen Hubert und Henry paßten an diesem Abend keine zwei Blatt Papier. Ich war von den Socken. Und gleichermaßen eingenordet. Bernd Fallobst habe ich selbstverständlich weitergehaßt. Er war wie selbstverständlich auf der anderen Seite, dort wo die Kaputten, die Inzestuösen wohnen, dort wo alle Bernds dieser Welt zuhause sind.

    Ich war dann wieder pro Hubert Selby, was sich sogar darin äußerte dass meine neue Freundin Huberts neues „Buch vom stillen Schnee“ 1991 kaufte – ein Buch was ich persönlich erst 2005 gekauft habe, aber bis heute, 2011, nicht gelesen habe.

    Schriftsteller haben lange Zeit eine besondere Intensität und Wahrheit. Wenn man in dieser Zeit auf deren Werke stößt sind sie eine Offenbarung. Wenn man sich durch eigene Entwicklung über ihr Werk erhebt, sind diese Offenbarungen nichts mehr wert. Keine Brillianz, nur noch Müdigkeit. Am Ende nur eichingerhaft.

    Trotzdem: Es ist an der Zeit Hubert Selby Jr. zu danken. Fürs Türenöffnen, für große Augenblicke, für große Wahrheit in meinem Leben – für neu entwickelte Unerschrockenheit, die sich ohne seine Texte nicht entwickelt hätte. Ich habe Huberts Buch »Mauern« mehrfach verschenkt. Um auch dort an fernen Plätzen Türen, sogar Mauern aufzustoßen. Hubert Selby Jr., verdammt – ich liebe Dich für Dein Werk, für Deine Beobachtungsgabe, Deinen Geist und Dein Unglück am richtigen Platz gewesen zu sein und dafür die richtigen Worte gefunden zu haben. Zwei der Dinge werden immer in mir weiterleben, auch wenn wir uns nur kurz gesehen haben, und Du kaum wissen kannst wer ich bin. Mir reicht zu wissen wer Du bist. Ich weiß auch genauestens wer ich bin. Wer war dann nochmal Eichinger? Der ist tot. Gut so. Verdammt gut. Kein Kunstzerstörer mehr zu sehen. Nur noch Du und ich. Nur noch Künstler.

    Mir liegt nichts an München, wenn ich jemals dort bin piß‘ ich auf Dein Grab, versprochen, Bernd Dumpfmann-Eichinger.

    P.S.: Das Buch »Requiem für einen Traum« habe ich seit 1987 verliehen und nicht wiederbekommen.

  2. Burkhardt sagt:

    Netter Blog, gefaellt mir.

  3. admin sagt:

    Being an artist doesn’t take much,
    just everything you got.
    Which means, of course,
    that as the process giving you life
    it is also bringing you closer to death.
    But it’s no big deal.
    They are one and the same and
    cannot be avoided or denied.
    So when I totally embrace
    this process, this life/death,
    and abandon myself to it,
    I transcend all this gibberish
    and hang out with the gods.
    It seems to me that that is worth
    the price of admission.

    Hubert Selby Jr.
    (* July 23, 1928 – † April 26, 2004)

    Official Website: http://exitwounds.com/Hubert-Selby-Jr-2.htm

  4. antidot sagt:

    This is really touching.

    And all those lamentations of stupid people are even more meaningless seeing a person like him standing no matter what.

    This is just truth…

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