Durst

Versuche ich mein Leben zu ergründen und gehe dafür bis an die Wurzeln, dann stelle ich fest, daß diese halbvertrocknet sind. Wie bei einem alten Baum. Ich suche nach Grundwasser, um wieder neue Kraft zu schöpfen. Doch der stete Wind hat die Erde ausgetrocknet.

Der Wind des Lebens, rauh und unbarmherzig, den ich meinte bekämpfen zu müssen, hat mir die Grundlage geraubt: das Wasser.

Ich nährte mich einst davon.

Nun suche ich in den tiefsten Tiefen danach, in der Hoffnung noch ein wenig zu finden — einige Tropfen, die mich am Leben erhalten. Stattdessen finde ich trockene Erde, Gestein und Geröll — Wüste.

Was tun?

Klaglos aufgeben, eingehen, verdursten?
Oder mich den Umständen anpassen und sie als eine neue Herausforderung begreifen, als neue Möglichkeit meines Wachstums und Reifens?

Ich hörte davon, daß die Wüste schöne Gewächse hervorbringt. Solche, die voller Kraft allem trotzen und ihr Leben meistern.
Verirrt sich einmal ein Wassertropfen zu ihnen, dann blühen sie sogar auf — und sei es nur für einen Tag.

Mein Suchen treibt mir Schweiß auf die Stirn und Tränen in die Augen. Und ich stelle fest, wie wohl dieses salzige Naß tut und ich das Wasser stets in mir trage.

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