Unterhaltungselektronik.

Heute war ich im Unterschichtenfernsehen beim „Dschungelcamp“, weil mich ein sogenannter Kunde mit seiner verschissen, idiotischen Spürnase (sic!) für die verfaulende Zivilisation darauf gebracht hat, die er selbstverständlich darin gar nicht erkennt, sondern sich damit – im Gegenteil – sogar gut unterhalten fühlt. Ich sah langweilige Untotenbilder von Menschendarstellern mit Musik untermalt, die ich sechs Monate als meinen eigenen Soundtrack ausgemacht hatte, z.B. von Martina Topley-Bird http://www.martinatopleybird.com, die ich etwa viertausendmal besser illustriert und ausgefüllt habe als aller Irrsinn, der heute zu sehen war.

Natürlich leben „Künstler“ von der Vermarktung ihrer „Erzeugnisse“ – manche sicher besser als wir alle – aber es hinzunehmen, dass ein Unterschichtenformat sich an subsoeverkulturellen Darbietungen labt, sogar speist, ist ein immer neu gefühlter Gipfel der Unkultur, der Unertäglichkeit, des Ungeistes der Welt. Ich würde lieber geistig verfaulen als meine Arbeit für soetwas hinzugeben. Hinzugeben als nutzlose, nur geldwerte Pose, als Fleisch. Als Silvesterknaller im Sommer. Ich gebe mich nicht mehr hin! Die Zeit ist zu kurz und der Sinn ist zu dünn. Allezeit zu dünn. Und die, die wir treffen haben uns nichts zu sagen.

Hingegen: Verfügbarkeit, Veröffentlichungen sind doch alles. Der stilsichere Griff ins Klo vergoldet alles. Irgendwo sitzt der Dummpraktikant der Dich und Dein Herzblut auserwählt um seine unaussprechliche Nutzlosigkeit zu vergolden, alles dafür einsetzt um sich und sein Tun als etwas besonderes herauszustellen. Sein Werk zu überhöhen und damit gleichermaßen Dein Werk unkenntlich macht. Er ist der, der Deine Arbeit, Deine Kunst verbrennt. Er, der Dich nicht kennt, nichtmal weiß was gemeint sein könnte. Er ist der, der Dich professionell mißversteht. Der Marketingidiot, der sich aus dem Füllhorn der Verfügbarkeiten bedient, und gedankenlos und selbstvergessen danebengreift, und alle Kunst damit in den Schmutz zieht. Der Pestreaktor, der Dich mit Wonne, aus Eigennutz für seine Zwecke verglüht.

Der Menschengeist ist flüchtig und strebt gegen Nichts. Es gibt hohe Menschen und niedrige. Ich selbst habe es an Körper und Geist erfahren, erdulden und mitansehen müssen und allen Respekt vor meiner Rasse darüber verloren.

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3 Responses to “Unterhaltungselektronik.”

  1. antidot sagt:

    Willkommen in der Realität…

    …eine, die keiner will. Zumindest ein Künstlerherz nicht wollen kann.

    …darum die logische Schlussfolgerung: bye, bye brainlessness – welcome loneliness!

  2. yo sagt:

    Hab zufällig in die letzte Folge Dschungelcamp gezappt und was lief im Hintergrund? „How to disappear completely“ von Radiohead, mein allerliebstes Lieblingslied aller Zeiten. Da ist ein Teil von mir gestorben. Scheiss RTL-Praktikanten.

  3. Admin sagt:

    „Zufällig“ war auch ich dieses Jahr mal wieder im Dschungelcamp – wurde ja jeden Tag gezeigt. Deine Aussage »Da ist ein Teil von mir gestorben« trifft es ganz gut. Denn auch diesmal gab es wieder Verbrechen gegen die Menschlichkeit, schon wieder durch die Auswahl der Musik. Keiner der schamlos ausgestellten Protagonisten kennt die sie untermalenden Songs. Und ebenfalls auch kein einziger der verblödeten Zuschauer, die sogenannte Zielgruppe. Wenn man überhaupt auf einen Kackhaufen innerhalb der Menschheit zielen kann, der sich nur dadurch auszeichnet, die aller Abscheulichkeit preisgegebenen Pseudo-Schauspieler, die second-best-idiots auch noch zu kennen – nah – als „bekannt“ zu identifizieren.
    Das ganze „Format“ zielt nurmehr darauf wirkliche Kultur, ernstzunehmende Künstler und deren ehrliche Anliegen dem sonstigen, unbedeutenden Unrat in den Orkus hinterherzuwerfen. Schon dafür gehört sogenannten „Redakteuren“, deren arschleckenden „Praktikanten“ und deren Leibgarde an Fünf-Euro-Nutten Berufsverbot erteilt. Als wirkungsvollen Schutz vor Schädelfraß und vor Zersetzung des heiligen Geistes. Also unseres heiligen Geistes! Verdammt!

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