www

…oder der WeihnachtsWinterWunsch

Die Königin regierte über ein kleines Land. Doch um von einem Ende zum anderen zu kommen mussten real große Strecken zurückgelegt werden.
Und genau am anderen Ende wohnte der Graf von Typo, ihr Freund und Kupferschlecker.

Beide hatten bisweilen einen regen Austausch, den der heiße Draht ermöglichte. In Millisekundenschnelle wurden die klugen Gedanken, gemischt mit jeder Menge Herzblut, hin und her geschoben wie auf einem Schachbrett. Oder es waren Narreteien, Albernheiten, die den beiden großen Spaß bereiteten. An manchen Tagen entlud sich auch die geballte Wut und der Frust auf die Welt, die Menschen und das Dasein in Form von rabenschwarzen Spitzeleien, bis am Ende beide wieder froher im Gemüt waren. Glücklich, jemanden gefunden zu haben der zuhört, versteht und mit dem sich die Gedanken und Gefühle öfter überlagerten als mit anderen.

Das ging Jahr ein Jahr aus, über viele Jahre. Zu manchen Zeiten wurde der heiße Draht glühend – dann gab es wieder Tage, Wochen, wo er Gelegenheit hatte sich abzukühlen.

In diesem Jahr hatte die Königin eine Idee, einen Herzenswunsch: in ihrer Phantasie malte sie sich aus, wie es wohl wäre den Graf von Typo an den Weihnachtstagen zu besuchen. In ihrer Vorstellung setzte sie sich inkognito in die Bahn und fuhr gut drei Stunden bis ans andere Ende des Reiches. Dort stapfte sie durch den Schnee bis sie vor dem Haus des Grafen stand und klingelte. Ihre Reisetasche war gut gefüllt mit Geschenken und Champagner, denn das Ereignis sollte gefeiert werden.

Eines Abends in einer rauschhaften Stunde, als die beiden wieder den Draht bemühten, kam es aber, dass die Königin dem Charme des Grafen erlag und ihren geheimen Wunsch preisgab. Beide waren von der Idee beseelt und im Geiste planten sie bereits die Details…

Aber es kam wie es nicht hätte kommen müssen oder sollen – die Königin hat eben viele Verpflichtungen. Und sie nahm diese ernst. Denn es ist an ihr, ihre Aufgaben zu erfüllen. Das wird von ihr erwartet. Sonst wäre sie keine Königin.
Ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche sind dabei fast unwichtig. Sie stehen zumindest immer hinten an, denn das Wohl ihres Landes und ihrer Untergebenen gehen vor. Zwar hätten auch diese mehr davon, wenn es ihrer Königin gut ginge und diese glücklich wäre. Aber viele Wünsche entsprechen leider nicht der Etikette.

Nur der Hofnarr, der alte Schelm, dem die Etikette sowieso schnurz ist, machte seine bitteren Bemerkungen. Stellte auf seine gewitzte Art in den Raum, dass die beiden Blaublütler wohl Muffensausen haben, sich von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen.

Letztendlich wurde die wunderschöne Idee mit einer geschickten Körpertäuschung ad acta gelegt – nein, eher verschoben.

Diese Weihnacht sind beide in Gedanken beim anderen. Darauf freuen sie sich, das haben sie sich versprochen und so sei es.

Glückselige Weihnachten all jenen, die mit dieser kleinen Geschichte etwas anfangen können.

51 reads
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading...

Tags: , , , , , , , , ,

No Responses to “www”

  1. Chris sagt:

    Lol, wenn ich gemein wäre würde ich sagen: „Königinnenpech“.
    Weil ich aber ein Herz für Aristokraten habe – also für echte Blaublüter, und nicht etwa für Plebs, der sich üblicherweise so hochschläft – heißt es wohl eher „Lady Di 2.0“. Und besonders in diesem Fall muß man aufpassen dass man nicht sein ganzes Leben verschiebt und es am Ende wieder auf http://www.subvers.de/?p=740 hinausläuft.

    Was mich an dieser Weihnachtsgeschichte brennend interessiert: Wer ist der Hofnarr?

    Und wer ist der Kupferschlecker?

  2. antidot sagt:

    Brennendes Interesse kann den Baum entzünden – also Vorsicht!

    Als Kupferschlecker bezeichnete sich der Graf von Typo mal selbst.

    Und der Hofnarr ist in uns. Wenn man genau hinhört, vernimmt man seine aufmüpfige Stimme oder sein hinterhältiges Lachen, manchmal aber auch seinen wohlwollenden Rat.

Leave a Reply

QR Code Business Card