Verspätungen.

reality blurred

Immerzu zu spät. Zu lange brauchen um Dinge wahrzunehmen, um scharf zu sehen. Nie ist der richtige Zeitpunkt. Und wenn die Zeit kommt ist es zu spät. Zu spät einzugreifen, zu spät es festzuhalten, es einzufangen, noch komplett zu erfassen. Niemals rechtzeitig. Immer zu spät. Um es noch zu retten, um es noch zu wahrzunehmen, solange es immerhin noch da wäre. Solange man es wenigstens begreifen könnte.

Dinge verschwinden vor der Zeit und wir sind alle Zeit zu spät. Es ändert sich nicht nur Umgebung, sondern gleich alles. Verspätungen – immerzu ändert sich alles. Und immerzu ist es überraschend, unpassend, zu früh. Oder überhaupt ungebeten, wieso ändert sich alles bevor man sich daran gewöhnt hat? Und wieso ändert es sich, wenn man sich gerade daran gewöhnt hat?

Änderung von Ordnung zu Unordnung.
Veränderung von Behagen in Unbehagen.

Es ist ungut: Weil man kaum mithalten kann, kaum hinterherkommt. Die Zeit und alle Veränderung läßt uns zurück. Mit einem Bild der Welt, das nicht mehr der Wirklichkeit entspricht. Und wenn ich nicht darum kämpfe tatsächlich hier zu sein und wenn ich nicht rechtzeitig verstehe bleibe ich hinter der Wirklichkeit zurück. Wir alle bleiben zurück. Und darum leben und sterben wir auch nicht in Wirklichkeit. Wir leben und sterben in unserer eigenen, ganz privaten Unwirklichkeit.

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No Responses to “Verspätungen.”

  1. antidot sagt:

    So ganz erfasse ich es noch nicht und habe den Eindruck, dass ich den Text viele Male lesen muss, bis er sich mir offenbart.

    Das ist auch gut – diese Vertiefung.

    Aber dann bin ich am Ende auch wieder zu spät…
    mit allem…

    Ich sperre mich noch dagegen. Das ist so nicht meine Erfahrung
    oder
    es machte mir bislang nichts aus.

    Mir ist es egal, ob ich für irgendwas oder irgendwen zu spät bin.

    Ich habe meine eigene Zeit.

    Und wie sagen die buddhistischen Mönche: im Fluss sein mit der Zeit und den Veränderungen, mit allem was geschieht, immer fließen…

    Es erscheint mir in vielem die Lösung, wenn auch nicht immer praktikabel.

  2. Chris sagt:

    „Ich habe meine eigene Zeit.“
    Wer denn nicht? Wenn Du allerdings von „draußen“ etwas willst bist Du hinter der (allgemein übereingestimmten) Zeit.

    „Und wie sagen die buddhistischen Mönche: …“
    Die sind wohl kaum in unserer Zeit, sie leben mit der Erdrotation. Daher werden sie kaum für unsere Zeit irgendwelche brauchbaren Statements abgeben können. Darum auch sind die Anquatscher in der Fußgängerzone jedweder Religion für Deine ganz eigene Zeitrechnung komplett unerheblich bis lächerlich. Die atmen nur Sauerstoff, der für anspruchsvolle Themen besser gebraucht werden könnte.

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