Nicht in Berlin.

20. Juni 2009 – Alter Weinkeller im Ruhrgebiet – es waren angekündigt: irgendwelche NoName-DJs ohne intellektuellen und musikalischen Hintergrund.
Das haben sie auch ansatzlos und ohne Mühe geschafft: ein Event – einer Abiparty gleich – mit einer einzigen assoziierbar akzeptablen Frau im Publikum, quasi als Anziehungskraft.
Höllenquote bei zwanzig Besuchern!

Als Rest: neunzehn jugendliche Amerikanerdarsteller mit Holzfällerfrisur, in kurzen Hosen und durchgängig verblödetem Gesichtsausdruck – davon ein Tänzer und einem offenkundig arhythmischen Nichttänzer, der sich trotz Sterbehilfe als Gratis-Medikation dennoch bewegte, obschon das bei seiner Anatomie für seine Umwelt kaum visuell auszuhalten war und die anderen Teilnehmer sich glücklicherweise – autistisch bis querschnittgsgelähmt – mit allen Äußerungen und Körperteilen zurückhielten.

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In einem Internet-Portal wurde das Publikum des Veranstaltungsorts zwischen zwanzig und dreißig beschrieben. Das lag aber offenbar am schwierigen Selbstverständnis der Zwanzigjährigen, die sich gern als Dreißigjährige ausgeben um wenigstens im Geiste mehr Sex zu haben. Aber vom Status eines Vierzigjährigen betrachtet, die immer noch mehr Sex haben als Dreißigjährige und Zwanzigjährige zusammen, bzw. sogar gemeinsam – eben schon weil sie mehr Angst vorm Sterben haben, sich dazu auch noch unerwartet artikulieren können (jedenfalls recht häufig, dazu vorher und währenddessen) und sich vor dem unmittelbar bevorstehenden Exitus oft sogar noch dringend vervielfältigen wollen (time-is-runnig-out-Modus) – war die Angelegenheit nurmehr eine Farce. Ich schaute in ein Becken mit Kaulquappen, die sich so richtig nicht entwickeln wollten/konnten, und irgendwie noch Zeit brauchten. Und leider weit mehr Zeit als ich an diesem Abend anzubieten hatte, vor allem weit mehr Zeit als ich Lust hatte und auszuhalten war.

Die Musik – ja die gab es auch – war unverhofft gut, weil elektronisch und beliebig – vielleicht aber auch nur darum, weil die Veranstaltung unter dem leidlich begeisterungsfähigen Publikum litt, und vielleicht auch nur deshalb als großer Pluspunkt hervorstach.

Wegen mangelnder Stimmung habe ich die Party zu früh verlassen, da ich sie mir auch nicht mit teurem Bier: drei Nutten-Euro für 0,3l Heineken schöntrinken wollte.

Ich hatte derweil noch eine Besprechung: zwei für eins an der Tankstelle. Dank an Adem, dass Du immerhin da warst! Sonst hätte ich noch schneller getrunken, beziehungsweise hätte noch schneller meine Aufwartung bei Aral gemacht!

Btfw. Aral rules – kaum Nebendarsteller, keine Rumpelmusik – die eigene Teilnahme am Geschehen hilft meistens zu immerhin 50% erwünschter Gesamterträglichkeit. Aggregatzustand kann zu jeder Phase dazuerdacht oder nachgekauft werden. Aral rules – bzw. Nachttankstellen im Allgemeinen.

Einfach beim tiefenentspannten Aral-Beichtvater die Drogen der Wahl ordern, der nimmt sein Geld, schweigt – versteht Dich sogar am Ende, weil Du nach fünf Minuten von seinem Gelände entschwunden bist. Obwohl er gar nicht auf der Party war, die keine war, – die einfach keine war. Die sah nur aus, wie in Blei gegossene Verblödung, die irgendwie volljährig wirken wollte, aber nicht konnte, weil die Protagonisten kaum eine Vorstellung hatten wie das hätte gehen sollen.

Und why the fuck heißt der Text jetzt: „Nicht in Berlin“? – weil ich an diesem Tag hätte in Berlin sein sollen und somit von einer richtigen Party hätte berichten können. So bleibt nur das schöne Foto mit spülschwammgelben Audi 100 im Hintergrund. Es sind eben die kleinen Dinge im Leben, an denen man sich im geistigen Exil berauschen muß.

P.S.: Sry, for the poor quality of my SonyW910i

Links:

ligaelektronika

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