Höhenluft

Auf einem Berg gewesen zu sein, bedeutet nicht übern Berg zu sein.

Denn obwohl der Blick und die Luft da oben phantastisch sind, die Höhenluft einem das Herz leicht macht und die Hoffnung aufkeimt, das Leben sei eigentlich ganz einfach – so wird man schnell eines besseren belehrt wenn man wieder auf dem platten Land im Norden ist.

So jedenfalls mein Eindruck nach ein paar Tagen im Süden der Republik, umgeben von Bergen. An zwei Tagen mit Hilfe der Seilbahn sogar 1.650 m über dem Meeresspiegel erreicht. Es hatte schon alles etwas magisches wenn mein Blick auf die Natur gelenkt war, auf das Spiel, daß die Natur anbot. Abwechslungsreich, vielfältig, farbenfroh, heiter, aber auch melancholisch, schwer, das Vergehende und Ende zeigend.

Die Menschen boten auch ein abwechslungsreiches Bild, doch das stimmte nicht heiter und leicht oder froh. Das bunte Bild war grell anstatt farbenfroh und hatte eher mit Farbenblindheit zu tun als der Lust am Farbenspiel. Gepaart war es mit einem grottigen Dialekt, der zumindest mir schwer auf den Magen schlug und ich mir gar nicht erst die Mühe machte, verstehen zu wollen was da geredet wird. Aber die Berge scheinen Magneten zu sein, denn es ist unbeschreiblich was alles mit der Seilbahn hochkam. Kein Alter, kein Gebrechen, keine Anomalie konnte sie aufhalten auf den Berg zu kommen und sich dem Gefühl hinzugeben, ihn wenigstens im Geiste bezwungen zu haben. Selbst diejenigen, die schon ein gebrochenes Bein hatten, kamen hoch und bewegten sich auf Schotterwegen humpelnd vorwärts. Andere wurden im Rollstuhl geschoben, sofern der Weg breit genug war. Und es kamen jede Menge Familien mit kleinen Kindern, die ausgelassen sich dort bewegen durften, daß mir vom bloßen Zuschauen ganz schwindlig wurde. Es hatte alles etwas von Jahrmarktstimmung und wäre nicht auszuhalten gewesen, wenn das schöne Wetter und der atemberaubende Blick mich nicht versöhnt hätten.

Die Gegend und Menschen suggerierten auch, daß es ihnen gut geht, dem Land gut geht, genug von allem da ist, vor allem Geld. Doch kaum wieder in der großen Stadt zurück, offenbart sich eine total andere Realität, zeigen sich komplett andere Bilder. Vorbei die Magie, die heitere Gelassenheit im Angesicht der schönen Natur – stattdessen zurückgeworfen auf dreckige Straßen, in diesige Luft mit allgemein trüben Aussichten und jeder Menge Alltagsirrsinn.

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