Essen ist fertig.

Ich bin gerade hier durch die Senfgas-Attacke gelaufen und das kann alles nicht sein! Da hat irgendeiner irgendwelche Fischabfälle hochgekocht und ich vermute mal, also ich glaube schon zu wissen wer das war. Es riecht jedenfalls unvorstellbar.

Ich habe genau diese Verknüpfung im Kopf, nämlich diese Episode von ‚No Reservations‘ in der Anthony Bourdain auf dem schwarzen Kontinent, genauer in Namibia unterwegs ist und auf irgendwelche Buschmänner trifft, die einen Schwelbrand legen und – vergraben unter Sand und Staub – würzigen Buschschwein-Anus dünsten. Im eigenen Saft natürlich, denn Wasser gibt es ja dort nicht – das ist exakt das, was hier im Hause so abläuft, das ist das, was man sich nicht erklären kann.

Wenn ich ein Essen zubereite, wo schon der Duft allein mir die kalte Kotze hochkommen lässt, das kann man dann doch nicht allen Ernstes essen? Man merkt doch, das ist vergorener Dreck. Das kann doch kein Mensch essen? Wie das schon riecht – wie soll das dann erst schmecken? Man kann doch nicht sich beim Essen die Nase zuhalten und dann hoffen, es wird vielleicht schon nicht so schlimm. Unfaßbar.

Damit kann man wahrscheinlich Tierfelle gerben und sich anschließend für seine Jurte einen regendichten Überzug herstellen. Unbeschreiblich.

Wahrscheinlich aber ist es sogar eßbar, zumindest denke ich das. Ich habe das an dieser Adresse schon früher erlebt, als irgendwelche Ziegenköpfe, Pansen oder sonstiger Gammel als Essen zubereitet wurde – man sieht also, daß es erheblichste Kulturunterschiede gibt. Für einen Europäer, der sich durchaus eine gewisse Kulturhöhe erstritten hat, ist das, von diesem erhabenen Standpunkt aus, nämlich erhoben aus dieser Ursuppe, aus diesem Dreck, emporgekrochen aus diesem Buschschwein-Anus, ist das einfach als Nahrung nicht identifizierbar. Schon gar nicht als Kultur erfahrbar, sondern es ist allenfalls prähistorisch. Unvorstellbar.

Dagegen riecht sogar meine Brennesseljauche noch lecker.

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4 Responses to “Essen ist fertig.”

  1. antidot sagt:

    So charmant es sich auch liest – kann ich dem Kulturunterschied nur bedingt zustimmen. Ich kenne sehr wohl die Gebräuche in deutschen Küchen und deren Kochmanieren, also bei denen die angeblich der Ursuppe entsprungen sind, wo Schweineohren und Haxen und derlei Schweinkram mit Wonne verdrückt wird – Zauberwort „deftig“. Oder denke ich an die vermeintlich hochentwickelten und kultivierten Menschen, die mit Wonne Froschschenkel und Weinbergschnecken als Delikatessen in sich reinstopfen – dann fällt mir auch nichts mehr dazu ein …

  2. Frau Schmidt sagt:

    Das geht doch ganz klar vor meinen Bug! So ein Mist, jetzt kann ich meine Essensplanung neu erstellen.

    • Admin sagt:

      Es gibt ja noch die universelle Zauberformel: „Es wird gegessen was auf den Tisch kommt.“ Damit kann der Gastgeber wohl allen, selbst erdachten und fabrizierten Irrsinn auftischen und unter Androhung von Folter, Taschengeld- und Sexentzug die Einverleibung des stinkenden Unrats einfordern. Unter Zuhilfenahme eines spitzen Gegenstands in der Hand, gelingt dazu oft noch ein wohlmeinendes Lob abzupressen, das – mit etwas Übung – gar nicht nach Lippenbekenntnis klingt.
      Dem Besucher obliegt daher, sich genauestens zu überlegen in wessen Fänge er sich begibt, will er nicht unter Tränen und Brechreiz irgendeinen verwarzten Dioxinkokel herunterwürgen und damit seine Lebenserwartung – aus falscher Höflichkeit – drastisch herabmindern.

      Laß‘ mich raten: Es gibt Buschschwein-Anus?!

      • Frau Schmidt sagt:

        Wer sich als Besucher anbietet ist eben selbst schuld ;)
        Danke für die tollen Tips der Foltermaßnahmen. Da kommt gleich wieder Freude auf.

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