Freudenhaus- bzw. Geburtstag.

So, morgen ist also mein sogenannter Freudentag. Ich habe allerdings seit einigen Jahren schon das ganze auf ein erträgliches Level einfach zurückgeführt, zurückgedrängt. Nämlich nicht irgendwelche bizarr-absurden Pseudorituale einer gescheiterten Zivilisation aufzuführen, mich an meinem eigenen Tag Dingen unterwerfen zu müssen, die mir nicht ähnlich sehen, an denen ich keinen Spaß habe und die es mir verleiden – jedenfalls so wie ich es möchte – im Mittelpunkt zu stehen.

Das ist zwar einerseits schade, daß dies eine gewisse Entwicklung verhindert hat, gewisse Begegnungen und Annehmlichkeiten damit unmöglich waren – allerdings bin ich ziemlich sicher, daß all diese positiven Aspekte eher chimärisch sind und einer allzu optimistischen Weltsicht – hier nur der Sicht der Dinge – geschuldet sind. Weil es nämlich in Wirklichkeit nicht funktioniert. Und das ist auch genau das, was man da sieht. Ich verweigere mich weitestgehend diesem Affenzirkus, um ersatzweise etwas Würdiges entgegenzustellen, und wenn mir das nicht gelingt habe ich immerhin geschafft, den Tag so zu gestalten wie mir das vorschwebt und mich nicht an eine unbedeutende Sache verraten und verkauft und mir darüber noch irgendwelche beschissenen Depressionen eingehandelt.

Warum diese allzu optimistische Sicht eben chimärisch ist? Es fallen einem kaum Leute ein, die man an so einem Tag gerne sehen würde und wollte. Und alle übrigen deshalb auch freundlich abzuweisen, ist hier das angezeigte Mittel. Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Es ist sogar die heilige Pflicht – statt sich in einer Orgie der Heuchelei aufzureiben und sich davon vereinnahmen zu lassen. Allein die Vorstellung, diesen Tag, der einem wichtig sein sollte oder der etwa wichtig sein könnte, diesen quasi mit Leuten zuzubringen, vollzustellen, die man nicht leiden kann und nicht sehen will, das ist wirklich ein viel zu teurer Preis, eine grotesk-lächerliche Verausgabung, die keinen Sinn ergibt.

Natürlich kann man auch an allen anderen Tagen allein sein und mit sich selbst, aber an diesem Datum finde ich besonders diese Verweigerung gegenüber diesem Irrsinn, gegenüber dieser Gesellschaft, dieser Heuchelei und diesem ganzen Lügengebäude absolut notwendig und angezeigt, um nicht noch davon verschluckt zu werden. Womöglich aus lauter Höflichkeit selbst noch irgendeine Freundlichkeit, irgendein Glück, ein Gewölle zu heucheln, abzuhusten über eine Sache, die im Grunde bitterlich und betrüblich nur ist, für alle, die es mitansehen müssen. Und für die man nicht in irgendeiner Art und Weise, schon gar nicht mit irgendwelchen falschen Worten, gespielter Anteilnahme und simulierter Freundlichkeit beglückwünscht werden will, sondern das ganze ausgesprochen still und bescheiden anzugehen, unaufgeregt, – das ist wirklich und ausdrücklich mein Wunsch. Das kann nur mein Wunsch sein.

Klar und deutlich – wie Freund Schopenhauer schon sagt – , etwas, das einfach abgehandelt werden sollte, wie das ganze Leben abgehandelt werden muß. Und wenn er morgen vorbeikommt, muß er sich eben auf einen Tritt in seinen blöden Arsch gefaßtmachen.

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