Doktorspiele

Was immer du bei dem Titel denkst und dir anfängst auszumalen – sei drauf gefasst, daß es nicht das ist und dann wieder doch und noch viel mehr.

Ich will gar nicht darüber reden oder nachdenken, wie so etliche Doktoren ihre Titel erwerben. Das müssen die alle mit sich selbst ausmachen.

Viel mehr mache ich mir Gedanken über die Spielchen, die sie treiben. Ich rede natürlich nicht von Ärzten, sondern jenen, die ein Dr. vor ihrem Namen haben. Also hochwichtige Leute.

Dieses Dr. kann ja viel heißen – wie das eben so ist mit Abkürzungen. Mir fällt dabei das Wort Diktator ein. Fängt auch mit einem großen D an und hört mit einem kleinen gerollten r auf. Und wenn du dich auf so eine Dr. Person einläßt, bist du schnell von der Rolle. Irgendwie scheinen diese Leute nämlich selbst nicht genau zu wissen, ob sie nun ein Doktor, Doctor, Dottore, доктор, Docteur, Doutor usw. sind oder eher ein Diktator, Dictator, Dittatore, диктатор, Dictateur, Diktaattori, Dictador usw.

Ich weiß, daß sie keine Ärzte sind. Aber noch nicht mal das scheint denen bewußt zu sein, denn sie lassen sich unverdrossen auf Doktorspiele am lebenden Objekt ein. An diesem testen sie mit wohliger Freude, wie weit sie gehen können. Also wie weit ihre Versuchskannickel es aushalten und wie weit ihre Allmachtsphantasien sich in die Realität transportieren lassen. Und dann werden sie so richtig erfinderisch und übertreffen sich selbst in ihrer kreativen Wollust. Schön nach dem Motto: Da geht doch noch was …

Das denken sie auch noch, wenn das lebende Objekt schon längst den letzten Atemzug getan hat, alles andere als noch lebend ist. Dem Hirntot nah – so fühlt es sich an wenn du mit einer Dr. Person zu tun hast, wenn diese das Projekt leitet, in dem du mittätig bist. Wo du von Teamarbeit ausgehst, wirst du ständig in deine Schranken verwiesen – gleichzeitig aber werden von dir haushohe Forderungen verlangt, die schlichtweg unaushaltbar sind und den Kopf so sehr zum Schütteln reizen, daß dieser droht abzufallen. Es geht an die äußerste Schmerzgrenze, kostet Zeit, Energie, Raum, und frißt das köstliche Herzblut auf. Es sind Vampire der übelsten Art, die sich nicht nur materiell bereichern, sondern auch von der Kraft der anderen zehren und somit sich eine scheinbare Berechtigung ihrer Existenz aufbauen.

Doch wehe dir, du kommst mit Forderungen, erwartest Inhalte oder die Einlösung ihres Parts innerhalb des Projekts und des Teams. Dann wirst du eiskalt abserviert und bekommst diesen Stein, der anstelle des Herzens in ihrem Brustkorb schwillt, mit voller Wucht an deinen denkenden Kopf geworfen. Rums … ausgedacht, wäre doch gelacht, klein gemacht, fertig, finito und endgültig Schluss, Aus, Ende.

creepy

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4 Responses to “Doktorspiele”

  1. Chris K. sagt:

    Schön! Trotzdem habe ich noch immer das Gefühl, Du hast Dein Haßpotential nicht optimal ausgeschöpft. Da geht sicher noch etwas. Ohne jemand vorsätzlich wehzutun, aber dennoch näher und treffender an des Pudels Kern zu kommen.
    Um bei nächster Gelegenheit schroff und selbstbewußt zu widersprechen! Unser Blog dient hoffentlich und wesentlich der Selbstvergewisserung. Und wohin soll das dann anders führen als zum Widerspruch? – gerade wenn man es mit solchen Patienten und Nullgeistern zu tun hat.

  2. Frau Schmidt sagt:

    Der Patient ist aber Doktor und da fängt es an …
    Wenn du mit derlei Dottores und Nullen zu tun hast, dann schwindet auch irgendwann jegliches Haßpotential. Eigentlich steigt nur Ärger hoch, aber du kannst den nicht greifen, nicht wirklich festnageln, weil ja von besagten Wichtigtuern nichts kommt was Substanz hätte. Heiße Luft ist und bleibt nun mal heiße Luft. Da hilft alles warten auf Doktor Godot nichts, denn er kommt nicht. Und inzwischen ist dann auch jeglicher Ärger verraucht, weil dir klar wird, daß es reine Energie- und Zeitverschendung ist.
    Wie ich schrieb: Es sind Vampire, Sucker, die an deine Substanz wollen. Sie sind eigentlich die gesamten Buchstaben nicht wert.
    Ich bemerke aber in mir, daß ich stets doch noch an das Gute glauben will, was ja in jedem Menschen schlummern soll. Es leuchtet mir einfach nicht ein – so viel Dreistigkeit um Nichts, so viel Geschrei um Nichts, so viel Raum einnehmen für Nichts. Ich stehe eigentlich nur fassungslos daneben, angewidert und ratlos zugleich, denn derlei Größenwahn auf einem Haufen ist mir selten lebend begegnet.
    “Da geht sicher noch etwas?” – Das hatte ich oben als Beispiel für die wollüstige Kreativarbeit der Doktoranten geschildert und das nun aus Deinem Munde geschrieben zu lesen … was soll ich denn davon halten?
    Heute geht schon mal gar nichts mehr. Feierabend.

  3. Chris K. sagt:

    Für einen echten Maniac muß einfach noch mehr kommen, gerade bei dieser Art Steilvorlage: Pflöcke ins Herz – wäre das nichts? Romantisch.

    Ich schickte Dir “I’m seeing red” vor einigen Tagen – da war doch die Weißglut und Energie zu sehen, die man auf solche Teufel einfach ausschütten muß.

    Zwei Buchstaben und einen Punkt nicht wert – wie schön! Genau was dieser Titel in Wirklichkeit, objektiv und anschaulich bedeutet und aussagt. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und bitte in Zukunft höchstpersönlich darauf achten, daß man es mit Überzeugungstätern zu tun kriegt. Dankeschön!

    • Frau Schmidt sagt:

      “Für einen echten Maniac: muß einfach noch mehr kommen …”
      Willst Du Dich nun als Dottore mausern?
      Das ist nämlich genau die Strategie jener Pappen(h)eimer: immer schön von den anderen fordern und das natürlich mit Druck!
      Nein, ich weiß, Du willst nur das Beste aus mir rauskitzeln. Weil auch Du Dich immer bis zum Stehkragen reinhängst und alles gibst. Tue ich auch – aber anders. Wie Du weißt bin ich nur ein Mädel und recht klein und in einigen Punkten überhaupt nicht belastbar. Besonders dann nicht, wenn The Real World mir derartige Streiche spielt.

      Dir hatte ich übrigens gestern empfohlen, Dir einen schönen Abend zu machen und den Roten zu genießen. Und was tust Du? Mich hier anstacheln … unfassbar.
      Klar sehe ich Rot – das Dilemma ist nur, daß ich Rot mag. Zwar eher als Farbe im Vino, roten Schuhen, roten Lippen und Klamotten – und wenn ich dann mein kostbares Herzblut in wonnigem Rot fließen sehe, bin ich wohl erstmal verzückt und erfasse nicht gleich, daß es zu gegebenen Anlässen an der Zeit ist den Haß in den geeigneten Kanal zu leiten – nämlich hierher in entsprechende Beiträge. Ich gelobe Besserung.

      Im Übrigen hat mir mein Doktor empfohlen den Palmengarten in Ruhe zu lassen … ;)

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