Sting ist tot.

Eine Abrechnung.

Grad neulich ist Stings Spätwerk »The Last Ship« erschienen. Sting ist der bekannte Leadsinger der Rockgruppe The Police, die Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre große, äußerst glaubwürdig vorgetragene, authentische Hits hatten, wie “Roxanne”, “Message in a Bottle”, “Walking on the Moon”, und damit ganz offensichtlich den Zahn und auch den Nerv der Zeit getroffen hatten. The Police trennte sich dann nach dem Mega-Erfolgsalbum »Synchronicity« – wegen Kunst, eigentlich wegen Geld, das übliche. Die Musiker machten weiter, Sting landete Mitte/Ende der Achtziger noch einige Solohits. Wurde, wie man sagt, kommerziell. Und das sagt auch schon alles.

Für ihn war es sicher schön. Für mich war es seit »Synchronicity« nur noch entsetzlich uninteressant.

Am 20. September 2013 erschien auf Universal sein neues Album. Es ist zu hören, daß er, sechzigjährig, sich an nichts mehr erinnert, an keine Musik, weder an die seiner Rebellion, noch an die seiner Erfolge, sondern scheinbar nur noch an Themen seiner Kindheit/Heimat. Heute, 2013 kommt er damit um die Ecke, hat damit vierzig Jahre vorm Berg gehalten. Gerade acht ehrliche, handgestoppte Minuten seines Gesanges sind davon erträglich, der Rest ist unsägliche Folklore und Selbstverrat, wenn nicht das, dann immerhin eine nicht nachvollziehbare Rückführung. Auf CD. Von jemand, der offensichtlich seine wahren Beweggründe all die vierzig Jahre vergessen, sich in Diffusion, in Musikmarktansprüche verbissen hat. Und sein Ergebnis davon, nach dieser Unzeit, schlecht und langweilig nur vortragen kann.

Ich erinnere Konzerte, von Musikern, die keineswegs irgendetwas einen Moment nur vergessen konnten, die schon vor dreißig Jahren dreißigmal besser und authentischer klangen als Sting heute, namentlich: The Pogues. oder The Band of Holy Joy. Hat Sting uns all die Jahre nach dem Ohr komponiert? Und sich auf dem Weg verloren? Sich vergessen? Oder nur verzockt? Immerhin ist er auf dem Schirm, im Bewußtsein aller Degenierten, aller nach oben arschleckenden Fachangestellten, Tagelöhner 40plus und Chart-Mitläufer, während andere, die ehrlichen und unverstellten Musiker am Straßenrand verreckt; vor der Zeit, zu Lebzeiten schon tot und vergessen sind.

Natürlich nehme ich es persönlich – will es verdammt nochmal wissen, wenigstens für mich: Sollen wir uns zu Lebzeiten vergessen, uns verstellen und uns erst erinnern wenn wir uns schlecht erinnern? Oder sollen wir Größe zeigen und das sein was wir sind und was wir können, bevor es uns schlecht wird, es uns auch so vorkommt, wir verzweifeln? Bevor es verrinnt, bevor es schal wird? Bevor uns aller Mut gerinnt?

Wir sollten jederzeit so gut sein, wie wir können, alles geben was wir zu geben bereit sind. Dafür reicht kein zweiter Anzug. Und kein Aufsparen für bessere Tage.

Jedenfalls für kein echtes Leben.

Sting ist tot. Hat sich vergessen. In Verwicklungen und fremde Ansprüche verstrickt. Konnte sich nicht mehr erinnern. Und wird jetzt vergessen.
Kommerz ist kein Zuhause. Das spricht zu mir aus acht Minuten, die noch sprechen können, der Rest ist Verstümmelung. Aber seine!

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2 Responses to “Sting ist tot.”

  1. antidot sagt:

    I would say: you don’t drink flat beer or sour vine. You drink it as long as it is tasty – otherwise there is no value in it.

    Likewise it’s with living your live: being authentical and having the guts to stand for yourself, your believes and your abilities only makes sense. Then you’re alive. The opposite is being a living dead like Sting and all the other suckers.

    For sure it’s easy to post my comment … living it each moment, each day, is a different thing and a strong request. Everybody sets his own standards. But in my opinion it has to be high no matter what – and for a public person like Sting anyhow. No excuses.

  2. Janice sagt:

    І really lovе уour site.

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