Im Fallen ein Fenster anzünden.

Ich habe einiges gelesen. Doch immer zuwenig von dem was mich betraf. Habe Bücher weggelegt, weil sie aus Unsinn und unehrenhaft entstanden sind, und die Autoren nicht leugnen konnten, aus Überdruß, aus Langeweile und von allem unbeteiligt und undurchdrungen ihre Werke zur Welt gepreßt zu haben.

Dann gab es andere, die mühelos ihr Feuer in meinem Kopf entfachen konnten, die in mir die Lunte gelegt haben. Die mir Gewißheit verschafft haben, die auf meiner Seite waren, mich bestärkt und mich vergewissert haben, der Dinge, die ohnehin offen angelegt und klar, aber nur zu selten zu sehen sind für Menschen, für solche, die verstehen können, solche, die nicht vernagelt, die nicht umnebelt sind. Bei klarem Verstand und empfänglich sind.

Es gibt das andere, die Gegenwelt. Die endlich zu verstehen wäre, während das, was um uns ist, hastig und geschäftig daran vorbeifließt.

Wenn ich solche Texte lese, fliegen mir die Schreie entgegen. Plötzlich kommt es mir nicht mehr komisch vor, dass in meiner Welt keiner mitliest, denn es hat zu allen Zeiten keiner verstanden und mitgelesen. Das kann ich sogar aus erster Hand bestätigen: Hier wird nichts mitgelesen. Hier wird auch nichts verstanden. Wozu? Keine Zeit um nachzulesen, keine Erlösung in aller Kleinteiligkeit – wozu lesen, wenn die Idiotensonne so schön scheint?

Warum dann im Fallen ein Fenster anzünden? Es gilt den Funken weltlicher Zivilisation, ernsthafter Gedanken weiterzuführen, das Feuer des Lebens. Im Fallen und in der Resignation, im Unvermögen, angesichts des Scheiterns müssen letzte Instruktionen weitergegeben werden. Zettel und Schreie als Hoffnung für Erlösung. Bei mir sind sie angekommen. Und jetzt? Kann ich sie weitertragen? Ich erlebe dass sich niemand dafür interessiert. Alles was uns gegeben ist, ist scheinbar preisgegeben. Alles nach vorne gefönt und nichts mehr im Blick. Alles schön auf einfach. Alles auf nichts. Auf besinnungslos.

Mich interessiert das eigentlich zu wenig, ich habe meine Nachkommenschaft zerdückt. Und trotzdem ist das Thema sehr groß, denn es kommt trotzdem etwas nach mir. Irgendetwas. Auch wenn ich nicht viel dazu beigetragen habe. Was will ich geben? Das größte was ich geben kann, wenn ich es nicht mehr halten kann, ist ein Zettel. Im Fallen zünde ich damit ein Fenster an. Ein großes. Eines das weit leuchtet! Für ein/zwei Leute die sehen können, welche die verstehen.

Auf dem Zettel steht alles was ich weiß und mir wichtig ist, und er wird verbrennen. Nur um das Fenster einen Moment lang zu erhellen.

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3 Responses to “Im Fallen ein Fenster anzünden.”

  1. Admin sagt:

    Mir war zunächst nicht klar ob ich diesen Text hier veröffentlichen wollte. Mir schien die Nähe zu meinem Geist und Wesen zu nah, und die Entfernung zu dem vorherrschenden Irrsinn und der allumfassenden Unbeteiligtheit da draußen zu fern. Ich zog es vor den Text meiner Freundin und Mitautorin Frau Schmidt vorzutragen, die ihn anscheinend auch nicht in meinem Verständnis aufnehmen konnte/wollte. Vielleicht war mein Vortrag zu schlecht oder der Zeitpunkt und die Eindringlichkeit unpassend. Jedenfalls bemühte ich mich in den folgenden Tagen des Besuchs, das Thema durchzupenetrieren – was mir selbstverständlich mühelos gelang. Ob sich darüber Verständlichkeit und Metaphorik übertragen haben ist mir noch unklar.

    Nach Vortrag und Ende des Besuchs wußte ich gleich, dass ich den Text nicht zurückhalten könnte, denn es ist mein Text aus August 2013. Und er ist zu nah an mir, als dass ich ihn jemals für mich behalten könnte. Er stach schon beim Schreiben, dann beim ersten Vortrag mich mitten ins Herz.

    „Im Fallen ein Fenster anzünden“ wurde in den folgenden Tagen ein gevögeltes Wort – wie man so schön sagt. Wenn nur diese auslöschende Bedeutungsschwere nicht alles niederdrückte. Dann könnte man vielleicht darüber lachen. So gut man eben über Herzblut aus Stichwunden lachen kann.

  2. Frau Schmidt sagt:

    Dinge brauchen Zeit – nicht nur bei Dir, sondern auch bei Deiner Freundin und Mitautorin, bei Deiner Besucherin, bei Frau Schmidt eben.
    Dein Vortrag war nicht schlecht, aber hastig, so als wenn Du es tatsächlich im Fallen vorträgst. Ich nahm Deinen Vortrag auf, versuchte meinen Eindruck mit den gehörten Worten zu verbinden, was mir aber nicht richtig gelang. Denn mein Kopf mit seinen Gedanken war naturgemäß mit eigenen Dingen nebenher beschäftigt. Stichwort: Zettel. Von einer Zettelwirtschaft in die andere zu kommen mit völlig anderen Inhalten muss erstmal verarbeitet werden.

    Deinen Text vor mir schwarz auf weiß zu haben, gibt mir die Möglichkeit ihn so oft und mit dem Tempo zu lesen wie es für mich stimmt und ich dadurch den Inhalt und Sinn ganz anders aufnehmen kann. Vielen Dank dafür, dass Du Dich dazu entschlossen hast, den Text nicht für Dich zu behalten.

    Generell stellt sich bei dem Thema wieder mal die Frage, inwiefern Übereinstimmungen, übereingestimmtes Denken und Verstehen existiert zwischen Menschen. Die Autoren, die Dich entfacht haben, werden ebenso immer wieder festgestellt haben, dass ihr Anliegen niemanden interessiert. Erst durch Zeit, Beharrlichkeit oder vielleicht auch glückliche Zusammenhänge fanden sich dann Interessierte und Mittäter.

  3. Chris K. sagt:

    Sic! Ganz selbstverständlich sind es immer dieselben Themen, die uns, bzw. unsereins umtreiben.

    »[…] Ich kann es nicht verhehlen, daß es mich sehr geschmerzt hat, so gar keine ernstliche Teilnahme, Rückwirkung, Erwiderung von Ihnen erhalten zu haben. Die Erfüllung meiner ersten Bitte hoffte ich viel zuversichtlicher, als ich mir merken lassen mochte: ich war der lebhaftesten Teilnahme gewiß. Diese sanguinischen Hoffnungen erblaßten allmählich […]«

    »[…] nicht an die des absurden Haufens, sondern an das Urteil der einzelnen Denkenden und Urteilsfähigen unter jenen Millionen, die hin und wieder und in weiten Zwischenräumen der Zeit und des Orts zerstreut erscheinen und die es eigentlich sind, was man Nachwelt nennt: denn das Ganze der Nachwelt ist so verkehrt als die Mitwelt.«

    Hier im Originalbrief von Arthur Schopenhauer an Johann Wolfgang von Goethe nachzulesen:

    http://www.subvers.de/2012/05/dresden-den-7-2-1816/

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