Glück

…und 6 Phantasien.

Das Glück ist ein temporärer Zustand und kann auch nur zeitlich begrenzt sein. Das ist eine Tatsache, darüber scheinen sich die meisten einig.

Dennoch wird es als ein hohes Gut gehandelt, so, als ob man es halten könnte, festhalten. Was sicherlich jeder von uns gerne möchte, wenn sich das Glück mal zu uns verirrt hat. Doch es lässt sich nicht festhalten – es ist eigensinnig.

Manches Mal erscheint es greifbar, fassbar, sei es durch einen Menschen, mit dem wir zur gleich Zeit etwas teilen oder ein Ereignis. Als höchstes Glück wird es angesehen, wenn man etwas mit einem geliebten Menschen teilt.

Das Glück hat viele Gesichter, viele Namen, viele Formen. Manche meinen sogar es liege auf der Straße – aber ich bezweifle, dass die, die da liegen müssen, es auch so sehen.

Für mich besteht Glück aus vielen Einzelelementen: einer schönen Konversation mit Gedankenaustausch von höchster Güte, bei der alles fließend, klar und gegenseitig befruchtend ist. Oder das Glück eines Gedankens, der im Innersten heranreift und sich ausbreitet und so vielfältigste Formen annimmt. Oder das Glück mit den Füßen durch das Herbstlaub zu streifen, es aufzuwirbeln und das dabei entstehende herrliche Geräusch wie Musik zu empfinden. Oder das Glück wenn man das Sonnenlicht im Frühnebel durch die Blätter blitzen sieht und wie es sich auf den Tautropfen spiegelt, sich in ihnen bricht und tausendfach glitzert. Oder das Glück im rechten Augenblick den Regenbogen zu sehen nach einem Regenguß. Oder das Glück, wenn ein schönes Lied, Musikstück, wohlig warm den Körper durchströmt. Oder das Glück, das ein poetischer Film auslöst weil er als gesamtes Kunstwerk uns gefangen nimmt und das Herz anrührt. Oder das Glück dem inneren Antrieb zu folgen und sich kreativ Ausdruck zu verschaffen, ja der Schaffensaugenblick selbst wunderbar glücklich macht. Oder das Glück bei Kerzenschein, gutem Essen und Wein einem lieben Menschen in die Augen zu schauen.

Und so viel mehr… die Liste könnte endlos sein.

Eigentlich könnte man sich doch rundum als glücklicher Mensch fühlen. Dennoch geht der Fokus in der Regel genau auf die Dinge, die wir nicht haben, die unerreichbar scheinen oder sind, Dinge, von denen man meint dass sie einem fehlen. So wie Geld, der sagenumwobene Erfolg und natürlich bestimmte Menschen. Wenn man diese hätte, würde man glücklich sein – so die Annahme.

Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich Glücksmomente konservieren will. Sie einfangen und festhalten will, damit sie immer wieder abrufbar sind. Jedoch scheitere ich kläglich an dem Versuch, ja muss sogar daran scheitern. Denn wie soll das gehen, einige glückhafte Momente für immer festzuhalten? Diese können nur im Herzen bewahrt werden oder allenfalls als Allegorie in einem Bild, Foto, Film, Kunstwerk oder Prosa umgesetzt und verwahrt werden.

In verzweifelten Momenten tut es mir gut ins Herz zu schauen und meine schönsten Glücksmomente heraufzubeschwören, die tief drinnen verwahrt sind. Da sind sie real und stets lebendig.
Denn die Realität ist wie ich es in einem Lied gehört habe:
»There is no honey on the moon …«

Glück ist eine Phantasie, so wie diese Phantasiegebilde aus Klecksen, die zum Fabulieren einladen, in die ich mich beim Zeichnen verliere, die mich eine kurze Zeit tragen, hinübertragen.

pixelstats trackingpixel 228 reads
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

3 Responses to “Glück”

  1. Admin sagt:

    So ein Glück! Ich habe zwar auch die Gabe mir »ins Herz zu schauen und meine schönsten Glücksmomente heraufzubeschwören, die tief drinnen verwahrt sind.« Doch ich bin unzufrieden: Sie sind mir zu wenig real und nur leidlich lebendig. Unter anderem deshalb treibe ich einen großen Aufwand mit Aufzeichnungen, Filmen und Fotografien, mit Texten und Tonaufnahmen ‒ sogar mit diesem Blog ‒ um der Realität große, nach Möglichkeit zusammenhängende Stücke zu entreißen, die mein Leben und meine Gedanken sein sollen. Viel zu oft hatte ich schon das Gefühl nicht genug davon festgehalten und für mich konserviert zu haben. Natürlich will auch ich das Glück konservieren. Insbesondere weil nur so wenig davon erhalten ist, und noch weniger für die Zukunft zu erwarten ist.

    Selbst wenn ich Eindrücke, Zustände und Stimmungen über meine Aufzeichnungen und Schilderungen kaum angemessen erhalten kann ist mir aufgefallen, dass es sich über zwei/drei andere Sinne, über meine Restlicht- und Gedankenverstärker sehr viel besser zurückrufen läßt als wenn ich mich nur auf meinen Kopf (oder mein Herz) verlasse.

    Ich könnte einfach nicht aushalten wenn einige dieser Erinnerungen, Momente, Lebensstationen und -daten allmählich verblassen, vom Unsinn der Jetztzeit allmählich verdrängt werden. Der Geist und der Zauber des Moments sind flüchtig. Ich fange sie mit meinen Apparaturen ein – für meine Ewigkeit.

    P.S.: Schöne Aquarelle ‒ Fraktalen gleich ‒ so vielgestaltig, dass man keine Form mit Worten beschreiben kann ‒ außer den 80er Jahre Seidenblouson oben rechts ^^

    • Frau Schmidt sagt:

      Ich schrieb, dass ich in verzweifelten Momenten in mein Herz schaue, um die verwahrten Glücksmomente heraufzubeschwören. Wohl in der Hoffnung, um mich dann besser zu fühlen. Ich sagte nicht, dass ich damit zufrieden bin oder es mich zufrieden macht.
      Auch nicht, dass es für mich real ist, sondern dass die verwahrten Momente dort realer als die Realität sind, welche eben keinen Honig bereit hält.

      Oftmals sind Erinnerungen – und was anderes ist es ja nicht – wie bitterer Honig. Auch die glückhaftesten Momente, die da tief drinnen eingeschlossen sind, können je nach Gemütszustand schon mal in Verzweiflung umkippen. Weil klar ist, dass es vorbei ist, unreal, unwiederbringlich, nur Erinnerung.
      Es ist genauso zum Scheitern verurteilt wie minituöse Aufzeichnungen in Form von Foto, Film oder Texten. Weil man es damit zwar teilweise konservieren kann oder zumindest versuchen, aber mehr nicht. Niemals wird es das sein was der glückhafte Moment, als er von einem gelebt wurde, tatsächlich bedeutete.

  2. Jaxon sagt:

    I enjoyed looking through an article that will make people think.

    Also, thanks for allowing me to comment!

Leave a Reply

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

QR Code Business Card