Fieberwahn vs. Fernsehwahn

Als Selbstständige oder Selbständige bin ich alles andere als das, es erscheint nur so als wenn ich selbst ständig bin. Laut Duden bedeutet der Begriff unabhängig von fremder Hilfe bzw. eigenständig sein, nicht von außen gesteuert, in seinen Handlungen frei sein und nicht von anderen abhängig.

Davon wüsste ich ja was.

Im Grunde bin ich ständig für andere da und von ihnen abhängig, in dem Fall für und von Kunden. Und das meistens rund um die Uhr. Feierabend, Wochenende und Urlaub sind schon fast Fremdwörter geworden und eben aus Zeit- oder Geldmangel nicht realisierbar.
Selbständig, ein schönes Wort mit so vielen Verheißungen. Ja, ich bin sozusagen mein eigener Chef, kann entscheiden wann ich aufstehe, dusche, esse, am Arbeitstisch sitze, ans Telefon gehe, schlafe und so weiter… Aber das war es dann auch schon so ziemlich.

Da die goldenen Zeiten in vielen Kreativbranchen vorbei sind und man durch Hunderte an jeder 
Ecke ersetzt werden kann, gilt es flexibel zu sein und zur Verfügung zu stehen. Das tue ich.
Mitte September bis Mitte Oktober hatte ich circa drei bis vier Wochen sehr viel zu tun, weil Termine eingehalten werden mussten. Ich hatte mir eine Erkältung eingefangen, der ich aber nicht viel Beachtung schenken konnte – dafür war keine Zeit. Sie brach nicht voll aus, mich plagte jedoch ein heftiger Husten, eine rauhe Stimme und ein benommener Kopf. Zwei Wochen lang ging es mal besser, mal schlechter.

Dann haute es mich von einem Tag auf den anderen um. Ich lag flach mit Fieber und der Husten war mit der Weile schier unerträglich geworden. Als ich nach vier Tagen endlich in der Lage war zum Arzt zu gehen, stellte der eine Bronchitis fest – also der Klassiker: Zum verschleppten viralen Infekt hatten sich Bakterien gesellt und machten mir nun den Garaus.

Als ich gezwungen war wegen Fieber vier Tage lang im Bett oder zumindest auf dem Sofa zu liegen, vertrieb ich mir zwischendurch die Zeit mit Fernsehen. Ich zappte rauf und runter, was die alte Fernbedienung hergab. Mein Fernsehkonsum im gesunden Zustand hält sich sehr in Grenzen und liegt so bei etwa 5 Stunden pro Woche. Ich habe dafür keine Zeit und nehme sie mir auch nicht, um durch die Kanäle zu hüpfen oder um auf keinen Fall etwas angeblich tolles oder wichtiges zu verpassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun hatte ich Zeit.

Und fühlte mich wie auf einem anderen Planeten. Hatte aber keinen Nerv, um mich über den unsäglichen Quatsch aufzuregen, der von morgens bis abends geboten wird: Heimatfilme zu fast allen Tageszeiten, Telenovelas (schon das Wort ruft Brechreiz hervor), Shows ohne Ende über Gewinner, Verlierer, Zicken, Machos, Köche, Promis und natürlich Talentshows von und mit möchtegern Nichts-Könnern. Und Soaps über jeden Pup den das Leben hergibt. Man fühlt sich von oben bis unten eingeseift. Nicht zu vergessen Fußball und natürlich Nachrichten über Halbwahrheiten in allen Variationen zu jeder vollen oder halben Stunde. Es gab nur sehr wenig, was mein Interesse im fiebrigen Zustand gefangen halten konnte.

Letztendlich griff ich ins DVD Regal zu Loriot und Father Ted. Beide verhalfen mir dazu, über den alltäglichen Wirklichkeitsirrsinn wenigstens wieder lachen zu können.

pixelstats trackingpixel 100 reads
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading...

Tags: , , , , , , , , , , , , , ,

2 Responses to “Fieberwahn vs. Fernsehwahn”

  1. Chris K. sagt:

    TV-Kanalkontrolle ist durchaus wichtig für zoologische Studien. Wer sich informieren oder unterhalten möchte stößt aber unweigerlich an die natürlichen, sogar an die erträglichen Grenzen des Mediums.

    In Zeiten körperlicher Angegriffenheit ist der Konsum nur solcher Medien angeraten, die auch halten können was sie versprechen. Insofern meinen Glückwunsch: Doch noch den Griff ins DVD-Regal geschafft, nach versuchsweisem Griff ins Klo.

    Mögen wir in diesem Augenblick all jener Millionen gedenken, die die feinen Unterschiede nicht kennen, die mangels Bildung und Kultur, mangels Anspruch und Ausrichtung den Griff ins Klo als identitätsstiftend, sinnbringend und als Hoch- und Informations-, sogar als Leitkultur empfinden. All jenen 95% an Irrläufern der Evolution sollte wenigstens eine Minute im Jahr unser ganzes Mitgefühl gelten.

    Ich hoffe, Du bist bald wieder ganz gesund!

  2. Amedar sagt:

    Great site. Plenty of useful info here. I’m sending it to a few pals ans also sharing in delicious. And certainly, thank you to your effort!…

Leave a Reply

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

QR Code Business Card