Treffen mit Herrn E.

Ihm war letztes Jahr die Frau gestorben, kaum sechzig Jahre alt. Was natürlich eine Riesentragödie war. Leukämie. Und in den letzten Lebensmonaten endete sie auch noch als Versuchskaninchen, indem man ihr irgendwelche Substanzen spritzte, die toxisch, hochaggressiv und kaum erprobt waren. Die sie binnen kürzester Zeit zersetzten und dazu führten, dass zum Beispiel ihr Gesicht ganz verfiel und dass sie aus Scham und Ohnmacht eine Maske in der Öffentlichkeit trug.

Wenn man sich überhaupt dazu in der Lage fühlte und sich mit ihr unterhielt, ahnte man natürlich das Ausmaß der Katastrophe, trotz oder gerade wegen der Maske. Und das tat einem so entsetzlich leid, eben so gar nichts machen zu können, nichtmal einen Trost aussprechen, nein, nur hervorbringen zu können, da man ihr bei diesen Begegnungen schon zu nahe trat.

Aber darum geht es gar nicht. Gestern sah ich Herrn E. zweimal im Park. Er telefonierte lauthals beim Spazierengehen. Das erste Mal ging ich noch an ihm vorbei, weil ich zunächst mit mir selbst beschäftigt war. Und als ich dann das zweite Mal um die Ecke bog, da saß er dann und ich setzte mich kurzerhand dazu, weil ich mit ihm eine einigermaßen gute Gesprächsebene habe, sehr freundlich, verständnisvoll, wenn wir nicht sogar pietätvoll miteinander umgehen.

Jetzt hatte er gestern sein Coming-out: Er sprach zum ersten Mal davon dass er bei einer lokalen Zeitung als Anzeigenverkäufer arbeitet und er wirkte dabei seltsam oberflächlich und unpersönlich. Mir schossen unweigerlich diese ganzen Probleme in den Kopf: Tageszeitungen (Nachrichten von gestern), die Probleme mit dem Anzeigenverkauf generell, das ganz unergiebige, unerfreuliche Geschäft unwillige Kunden zu teurer, unnützer Werbung zu überreden.
Und er schien aus unserem Gespräch irgendwie so eine Marketingveranstaltung machen zu wollen, indem er erklärte er hätte seine letztjährigen, guten Verkaufszahlen schon jetzt wieder erreicht und damit ein besseres Geschäftsergebnis erzielt. Er fing dann an seine Zauberformel aufzusagen, dass er nur irgendwem ein Werbegeschenk, einen Kugelschreiber überreichen müsste, um damit großen Zauber zu entfachen und eine langjährige, erfolgreiche Geschäftsbeziehung anzubahnen.

Ich muss ihn wohl sehr ungläubig angesehen haben, dass er weiter ausholte und mir erklärte, er habe Seminare zu Verkaufspsychologie und zu Kundenbindung vor 25 Jahren mitgemacht.

Aus Herrn E. ist also in diesen Jahren etwas geworden, während ich in derselben Zeit vieles versucht und gemacht habe, auch in einem viel größeren Maßstab sicherlich gewirkt habe, aber im Gegensatz zu ihm ist dabei für mich nichts herausgesprungen. Immerhin bin ich bei mir selbst angekommen. Offenbar dümpeln die Menschen lieber auf der Oberfläche, und möchten gar nicht richtig eindringen in irgendwelche, nur umständlich zu begreifende Materie, sind eben schon für das Nicht-eindringen-wollen bereit, langjährige Geschäftsbeziehungen einzugehen, die nichts einbringen, außer dann und wann mal einen schönen Werbekugelschreiber mit häßlichem Aufdruck.

Davon, jedenfalls, bin ich überzeugt.

Das ganze Gespräch verlief leider sehr unpersönlich. Er schaffte es diesmal überhaupt nicht mich richtig anzusehen, sprach somit seinen Blindtext in alle Himmelsrichtungen. Und, als sei das noch nicht unpersönlich genug, klingelte zweimal sein Telefon und ich wurde mir so richtig dieser Veranstaltung aus dem Paralleluniversum bewusst, da ich – mit ihm auf derselben Bank sitzend – zum Anhören seiner nichtssagenden Zerstreuungsdialoge verdammt war.

Es scheint wohl der Preis dafür zu sein, im Gespräch zu sein, Freunde zu haben und Verabredungen zu haben, bei denen es dann leider nicht um dich persönlich geht oder um akute Fragen, nicht um ernste Themen, sondern um eine seichte und nichtswürdige Rahmenhandlung, die die tatsächlichen Ereignisse und Gedanken mit aller Macht aus allen Windungen des Gehirns fernhalten, oder immerhin verkleistern soll. Offensichtlich in der Hoffnung, dass sich niemand niemals an die Vorkommnisse, letztlich an die Realität erinnern möge.

So entblätterte er sich durch diverse Gesten und durch die Art des Gesprächs und auch durch die Art dieser Telefonate, die nebenher geführt wurden, vor mir. Und es blieb jemand übrig vor meinen Augen, der nichts vom Leben begriffen hatte, der aber zum Trost mit großem geschäftlichen Erfolg, regelmäßigem Gehalt und großem gesellschaftlichen Ansehen – wenigstens in seiner Einbildung – gesegnet war. Was das letzten Endes bedeutet? Für ihn wahrscheinlich sehr viel, weil er sich auf dieser Ebene, auf dieser Spielebene seine ganze verlogene Selbstbestätigung holt.

Ich kann mir vorstellen – das wollte ich ihm eigentlich noch sagen, jedoch gelang es nicht innerhalb des ganzen Gesprächs an Tiefe zu gewinnen oder einen standfesten Boden herauszubilden – dass er auf sich aufpassen müsse, wenn er zum Jahresende seinen Job an den Nagel hängt und dann plötzlich mit seinen blindlabernden Freunden seine einzige Beschäftigung hat. Und diese vielleicht nicht alle zwei Minuten anrufen, um ihm irgendwelchen Stumpfsinn mitzuteilen. Und auch nicht mehr zur Ablenkung wichtiger Gedanken allezeit zur Verfügung stehen.

Man muss sich wirklich fragen wie man so sein kann. Wie man als solcher Mensch so ein Schicksal erleben kann und nichts daraus lernt, z.B. sich für derartige Gespräche zu schade zu sein. Und ich frage mich, ob ein solches Schicksal nicht unweigerlich dazu führt dich an deine Grenzen zu bringen, vielleicht einige dieser Grenzen sogar hinter dir zu lassen, weil du vor Augen geführt bekommst, dass du einem großen Irrtum aufgesessen bist und dass eben seit 40 Jahren, für dein ganzes Menschenleben.

Aber es ist wahrscheinlich wie immer, dass gerade diese sogenannten Erfolgsmenschen überhaupt keinen Draht zu sich selbst haben und keine Idee, wer oder was die eigene Person sein könnte. Und somit dann am Ende ihrer Benutzung durch die Gesellschaft abgeworfen werden, als leere Hülle. Und dieses ganze Lügenkonstrukt von Erfolg und Selbstbestätigung schließlich in sich zusammenfällt und eine ideenlose, vertrocknete Menschenhülle übrigbleibt.

In nackter Verzweiflung wird der eine oder andere vielleicht versuchen doch noch Kontakt zu sich selbst herzustellen oder ersatzweise irgendwelche Events in sein Leben zerren, die die sogenannten Freunde dieser Menschen als “highlights” gelten lassen können, über die man dann sprechen kann und für die man vielleicht bewundert, beneidet wird.

Die Schwierigkeit ist bei mir, dass ich solche Strukturen schnell durchschaue und dass von meiner Seite kein Lob und keine Anerkennung zu erwarten ist. Insbesondere nicht für Selbstverweigerung, Zerstreuung und auch nicht für Blindtext.

Wie etwa gestern, bei diesem unerwarteten Zusammentreffen. Und vielleicht aus diesem Grunde spüren diese anderen Menschen, dass ich Ihnen auf einem ganz anderen Gleis entgegenkomme – schnell, mit Getöse, vielleicht sogar ein bißchen zu grell.

Und dadurch stellen sich natürlich all diese Abklatschparameter nicht ein, die Dinge die bei Begegnungen abgerufen werden, ob der Gesprächspartner demselben Irrsinn erlegen ist oder wenigstens denselben Vorurteilen. Und genau auf dieselbe Propaganda hereinfällt wie man selbst, dass man in seiner geistigen Umnachtung sich wenigstens in die Arme schließen und sich freuen kann, dass man endlich jemand gefunden hat, der “genauso” ist, wie man selbst.

pixelstats trackingpixel

Das könnte Dich auch interessieren / You might enjoy reading:

146 reads
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...Loading...

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

9 Responses to “Treffen mit Herrn E.”

  1. antidot sagt:

    Dein Beitrag trifft sicherlich den wahren Kern.

    Dennoch denke ich, dass niemand in der Lage ist, in einen anderen Menschen reinzuschauen, also nicht weiß was der andere wirklich denkt und fühlt oder was sein wahrhaftiges Bestreben im Leben ist.

    Klar bekommt man Stimmungen, Schwingungen und durch Gesagtes oder Gesten und Handlungen einen subjektiven Eindruck von einer Person – aber dieser Eindruck geht durch Deinen respektive meinen oder wem auch immer seinen Filter. Es kann niemals die objektive letztendliche Wahrheit über eine Person sein – meist ist diese ja sogar dem betreffenden Menschen selber verborgen.
    Wie jemand sich gibt oder redet oder sein Leben meistert mag für Außenstehende oberflächlich aussehen, ist aber vielleicht nur so wegen der Unbeholfenheit der Person. Vielleicht steckt dahinter ein Gewirr an komplizierten Gedanken und intensiven Gefühlen, die derjenige gar nicht vor anderen auszudrücken weiß oder auch nicht ausdrücken will.

    Das genaue Gegenteil sind ja die Leute, die mit wahrer Wollust ihr Seelen- und Gefühlsleben, ihr Innerstes zur Schau tragen.

    Und warum Menschen sich mit Oberflächlichkeiten abgeben mag auch vielerlei Gründe haben. Ich will das nicht verteidigen, aber wie ich heute erst zu einem Freund sagte, bin ich davon überzeugt, dass Menschen so handeln weil sie in ihrem tiefsten Inneren enorme Angst davor haben mitzubekommen, wie einsam sie sind. Also physisch einsam, darum umgeben sie sich mit Dummgelaber und unnötigen Alibihandlungen, damit dieser Zustand nicht wahrgenommen werden muss.
    Und dabei sind sie nicht mal bis zur Einsamkeit in ihrem Innersten vorgedrungen.

    Menschen sind auch nicht alle gleich gestrickt – sie wollen nicht alle an ihre Grenzen gehen. Und selbst wenn sie an gewisse Grenzen gestoßen werden wegen bestimmter Lebensumstände, dann heißt das nicht zwangsläufig, dass sie sich deshalb ändern. Sollten sie, ja, das ist wohl wahr. Aber wenn sie Grenzen nicht als Grenzen wahrnehmen, sondern als äußere Belästigung, die ihr schönes Leben stört, dann gibt es keine Notwendigkeit sich zu verändern. Die kann erst dann eintreten oder ist dann ein Resultat, wenn derjenige sich selbst hinterfragt in dem gesamten Geschehen.

    Und das ist vielleicht der Kern: Das tun sehr wenige Menschen.

    Es ist einfacher nach außen zu schauen und mit dem Finger zu zeigen als nach innen zu schauen, wo es auch dunkel sein kann, und dann womöglich auch noch die Fingerchen verbiegen in so eine ungewohnte Richtung – sieht ja nicht normal aus, also lassen sie es.

  2. Admin sagt:

    Ich verstehe sehr wohl den Einwand. Jedoch möchte ich mir diesen einen Hinweis erlauben: wir alle sind sterblich und haben nicht alle Tage Zeit Bewegungen – sichtbare, wie unsichtbare – des Gegenübers abzuwarten. Nun, ich bin mir meines Fehlers bewußt, keine Geduld aufbringen zu können, nicht mit meinem Nächsten und nicht mit mir selbst. Als alter Schwarz-/Weiß-Denker und Preuße wünsche ich mir Signaltafeln im zwischenmenschlichen Umgang, die bittesehr den jeweiligen Aggregatzustand anzeigen (zurechnungsfähig ja/nein/weißnich’). Denn ich bin mir bewußt, jeder hat mal einen schlechten Tag und reagiert nicht angemessen auf Anfragen und Befehle. Was mir jedoch bei meiner größtmöglichen Einsicht entgegensteht ist die unleugbare Tatsache, dass wir uns allezeit für Nichtswürdigkeiten und Nullperfomance die Beine in den Bauch stehen. Auf Dinge hoffen, die sich entwickeln sollten und das Gegenüber vor unseren Augen lediglich vertorft, statt sich zu bewegen, statt einfachste* Gedankenleistungen zu vollbringen.
    Wer den einfachen* Weg zu sich selbst verpaßt, darf nicht darauf hoffen, dass ich zu allen Jahreszeiten dorthin schneeschiebe. Ferner kriege ich tagein/tagaus Positionsmeldungen, die nicht kommuniziert werden müssen, sogenannten Blindtext. Ein Platzhalter für den Originaltext – wenn er denn kommt. Darauf kann ich aber nicht für alle Zeit warten. Ich wünsche mir von Herzen: Mut zum Ich, zur Persönlichkeit, zur Pose. Dinge, an denen man sich reiben kann, die man entweder erstklassig oder erstklassig scheiße findet. Wenn diese, wie im vorliegenden Fall, nicht meßbar wahrzunehmen sind, hilft es keinem weiter.
    Dazu reicht unsere Lebenszeit nicht, dauernd auf Godot zu warten, auf Auflösung, auf Zeichen. Auf Traumdeutungen. Ich gebe jedem gern Zeit zu überlegen, aber nur ich bin der Maßstab und Gebieter meines Zeitvertreibs. Mea culpa.
    Ich habe allerdings dazugelernt, ich kann auch eine schlechte Vorführung aushalten. Ich kann aber nicht zulassen, dass alle Tage mir schlechtwerden in Erwartung von etwas, das niemals eintritt. Das heißt dann wohl Sozialhygiene. Und wirkt beim Aussprechen wie etwa 70 Jahre alt – was mir auch nicht recht ist, aber so ist es dann wohl.

    * einfach, im Sinne von naheliegend

  3. Frau Schmidt sagt:

    LoL – ein bisschen hört sich das ja danach an als wenn Du bespielt werden willst. Dann musst Du bitte schön auch auf Deiner Leuchttafel in grellpink stehen haben, was für eine Vorstellung Du vom anderen gerade erwartest – wäre angemessen.

    Wie ich es rauslese, hast Du Dich zu ihm gesetzt – unaufgefordert. Könnte ja sein, dass ihm das nicht passte und er nur zu feige war es laut zu sagen. Stattdessen eben eine langweilige Konversation anbot. Vielleicht waren aber auch andere Gespräche mit ihm eher die Ausnahme und das oben beschriebene ist der Standard.

    Wie dem auch sei. Klar kann man nicht ewig auf andere warten. Aber muss man ja auch nicht. Ich denke man muss es nur dann, wenn einem besonders viel an dem bestimmten Menschen liegt und wenn dem so ist, dann ist man wahrscheinlich auch noch bereit ihm Brücken zu bauen, damit das Weitergehen leichter ist.

  4. Admin sagt:

    Bin erstmal im Keller …

  5. Frau Schmidt sagt:

    Ich gehe nicht davon aus wegen meinem Kommentar ;)

    Werde aber die Gelegenheit nutzen und noch etwas ergänzen:
    Das mit der Leuchttafel funktioniert nicht. Also anzeigen, was man erwartet und haben und sehen will vom anderen. Denn das würde den Reiz nehmen herauszufinden, was im anderen steckt. Beziehungsweise dass sich der andere entblättert und von selber zeigt. Idealerweise ist ja so eine Entblätterung reizvoll, stimulierend und in hohem Grade anregend für beide Geister, Gemüter.

  6. Admin sagt:

    Wer von uns nicht eingefangen werden will, der werfe bitte den ersten Stein.
    Was ich erwarte wird ohnehin nur seltenst erfüllt, von daher spare ich mir meine Aufzeichnungen an den Weihnachtsmann und sonstige Phantasiewesen.

    Ich habe mich natürlich erkundigt, ob ich mich dazusetzen kann. Höflichkeit kann auch in manchen Fällen eine Ablehnung, eine Abfuhr sein. Das versuchte ich heute zum Beispiel auch bei einem Telefonat auszudrücken. Es gibt Künste, die einem keiner erklären kann.

    Die zweite Chance ist durchaus auch dafür da sich zu versichern, dass der erste Termin kein Glücksgriff gewesen ist. Erst durch die Penetration solcher Glücksmomente fließt es durch den Körper und der andere Mensch wird allmählich – bei Bestätigung – verinnerlicht. Natürlich nur in seinem Ist-Zustand, was das Scheitern der Beziehung und zusammenhängender Glücksmomente trotzdem offenläßt, z.B. bei Veränderung wichtiger Positionen.

    Brücken werden erst gebaut, wenn sich der Baugrund als reliable* erwiesen hat.

    Dennoch mein Widerspruch: Warum sich keine vorsichtigen Zutraulichkeiten gegenüber Fremden erlauben? Wegen der eigenen Tolpatschig- und Unzulänglichkeiten? Wegen Dummhorstigkeit? Warum kein Spiel mit dem Feuer, wenn Dir ohnehin Dein Leben zwischen den Fingern verbrennt?**

    *deutscher Begriff gerade nicht zur Hand.
    ** I damn love the f* german language for the hellfire within!

  7. Frau Schmidt sagt:

    Nun könnte ich kontern: wer nicht sagt was er haben und sehen will, bekommt es auch nicht. Aber das widerspricht dann gleich dem was ich als letztes schrieb, obwohl es dennoch wahr ist.
    Wenn Dein Anspruch an den Rest der Menschheit so hoch ist, dass Du selbst kaum erwartest dass er erfüllt wird oder wenn, dann äußerst selten – warum wunderst Du Dich dann dass es so ist?

    Und natürlich kann und soll man sich vorsichtige oder auch draufgängerische Zutraulichkeiten erlauben, auch Fremden gegenüber – wobei Du ihn ja immerhin etwas kennst.
    Ich hatte nur versucht den anderen Menschen aus einem anderen Blickwinkel als den Deinen zu betrachten – vielleicht sah es so aus, als wenn er dabei besser wegkommt als er es verdient – aber ich bin mir da gar nicht so sicher.

    • Admin sagt:

      Ich habe oft gesagt was ich will und dennoch nicht bekommen.

      Auch bei den Menschen ist der Anspruch gar nicht so hoch, und ich weiß genau wie wenig sie sich verbiegen wollen – dennoch frage ich mich warum sie es sich selbst nicht ein bißchen leichter machen? Es wäre so leicht und es täte keinem weh. Aber sie bewegen sich nur durch Schmerzen und durch Zwang. Wenn einem diese Sprache nicht liegt kommt man mit den Menschen nicht weit.

      Ich halte mir durchaus offen, die Menschen unbeeindruckt und unverstellt zurückzulassen, jedoch hat das zur Folge dass ich mich noch weiter absondere, da ich nichts was ich will von ihnen erwarten kann, noch was ich hoffe. Vielleicht erreiche ich mit Druck oder Geld was ich will, jedoch ist es damit kein unverhofftes Geschenk mehr, nicht aus sich selbst heraus, nicht authentisch. Das ist trostlos.

      Wenn man sie läßt, wohin sie eben gehen, gehen sie halt und man findet sich selbst in deren Zielen nicht wieder. Es ist also der Weg des geringsten Widerstands, bei höchstmöglicher Verzückung, der gegangen wird, und zusätzlich noch der Weg des größtmöglichen Ansehens bei geringstmöglichem Einsatz. Quasi der Phantasialand-Besuch inklusive Allyoucaneat als Aufkackmoment – für den man von den übrigen nichtswürdigen und ideenlosen Affen bestaunt wird.

      Ich kann mich daraus auch durchaus zurückziehen. Mir liegt seit letzter Woche der Yukon mehr als vorgetäuschte Zivilisation. Wie besprochen, definiere ich Zivilisation wohl anders als der Homo sapiens mitlaeuferensis und kann darum auch nichts als große Enttäuschungen erwarten, selbst wenn wir vom selben Affenarsch als Vorfahren abstammen.

      • antidot sagt:

        Da gebe ich Dir recht: man kann hundert Mal sagen was man will und bekommt es nicht.
        Wenn die Erwartung klar formuliert ist und man bekommt ein klares Nein oder eine klare Verweigerung zurück, dann kann ich damit leben.
        In der Regel aber stößt man auf Ambivalenz, “weiß-nicht-Verhalten” und mich persönlich bringt das viel mehr zur Weißglut.

        Das mit dem Verbiegen sehe ich anders. Für mein Empfinden verbiegen sich Menschen permanent und sind nicht bereit oder in der Lage zu schauen, ob das überhaupt etwas mit ihnen persönlich zu tun hat. Weil sie nicht wissen was sie selber wollen, biegen sie sich in die Richtungen, die ihnen vorgegeben werden – bevorzugt sind die der Medien und großen nullgesichtigen Vorbilder. Aber natürlich auch Lebensumstände.
        Nimm allein die Tatsache wie die Menschen hier immer mehr bereit sind für Null zu arbeiten, sich ausbeuten
        lassen, nur um die Illusion zu haben sie hätten noch Arbeit und sind somit ein Teil der Gesellschaft.

Leave a Reply


2 + 2 =

QR Code Business Card