Sucher

Am letzten Samstag war ich auf der Tangonale, dem Sommerfest der Tangokunst, das auf dem Gelände der Ufa-Fabrik in Berlin stattfand. Früher wurden hier Filme produziert. 1979 entstand der Vorläufer zum jetzigen Kulturzentrum, einem kleinen eigenen Universum auf mehr als 18.000 Quadratmetern, das einzigartig in Europa ist. Eine Begegnungsstätte für kulturelle Veranstaltungen, Workshops, Kunst, Events sowie einem Café, einer Bio-Bäckerei, einem Naturkostladen und vielem mehr. Ein wunderbarer Treffpunkt in Tempelhof in der Nähe zum Tempelhofer Hafen.

Die Tangonale fand von Freitag bis Sonntag statt und bot unterschiedlichsten Künstlern, die sich mit dem Thema Tango auseinandersetzen, eine Plattform. Sei es Kunst, Musik, Tanz, Theater oder Akrobatik – von allem etwas. Von 16.00 Uhr bis 21.30 Uhr fanden die Darbietungen im Freien statt. In einem wunderschönen Zelt mit bestens ausgestatteter Beleuchtung. Es war ein gemischtes Publikum zwischen Anfang zwanzig bis Mitte siebzig. Vorwiegend allerdings ab Mitte vierzig aufwärts. Es gab interessantes zu erfahren, zu sehen, zu hören und sogar für Anfänger zum Mitmachen. Später am Abend wurde im Theatersaal weitergemacht mit Tanz zur Livemusik. Alles in allem ein netter Nachmittag und Abend mit vielen Eindrücken.

Worauf ich aber hinaus will und die Überschrift hindeutet ist folgendes:
Ich borgte mir die Digitalkamera meines Sohnes aus, weil ich nicht mit meiner digitalen Spiegelreflexkamera rumlaufen und ohnehin nur ein paar Impressionen festhalten wollte. Sie sollte in die kleine Handtasche passen. Er erklärte mir im Schnelldurchlauf alle wichtigen Punkte und los ging’s. Ich kam soweit auch gut klar damit, bloß… ich vermisste den Sucher! Das war so fremd für mich, nicht durch den kleinen Sucher genau das zu sehen was ich sehen will – ich kann es kaum beschreiben. Beim Schauen auf das Display hatte ich stets das Gefühl als wenn alles zappelt (weil ich zappelte?) und anders aussieht als ich es haben will. Auch das Zoomen ging irgendwie so schnell, dass ich kaum den Punkt fand den ich wollte. Meine Spiegelreflexkamera hat auch ein Display, klar, aber ich nutze es nicht. Höchstens um nach der Aufnahme draufzuschauen wie es geworden ist. Es war abenteuerlich für mich. Und an einem Punkt hörte ich auf, mich darüber zu verwundern und zu hadern, sondern ließ mich drauf ein und machte einfach was mir in den Sinn kam. Als ich am nächsten Tag die Bilder auf dem Rechner ansah, war ich erstaunt wie nah die Kamera doch viele Dinge rangeholt hat – das habe ich so auf dem Display nicht gesehen. Es sind unterm Strich keine berauschend schönen Bilder geworden, aber dokumentarische. Und es war für mich ein Experiment.

Ich sinierte über den Begriff  Sucher. Es gibt den Sucher in der Wüste. Und als selbigen empfand ich mich. Ich hatte den Eindruck mir fehlt der Schlüssel zur Realität, weil dieses kleine Ding an der Kamera fehlte. Mit so einem Sucher an der Kamera fühle ich mich sicherer, wohler und habe den Eindruck, dass ich dann punktgenauer treffe, was ich ausdrücken will und wahrnehme. Also ist der Sucher an einer Kamera mein Schlüssel. Selbigen Eindruck habe ich auch auf’s Leben übertragen – nur habe ich da den Schlüsel noch nicht gefunden.

www.ufafabrik.de


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